Zivilgesellschaft

Nachweise in SysLex

Ehrenamt(Autor*in )
Veröffentlicht29.10.2026
Exzerpt

Das Ehrenamt, eine Entwicklung der bürgerlicher werdenden Gesellschaft im 19. Jahrhundert, unterliegt parallel zu den Veränderungen in der Gesellschaft einem Strukturwandel. Empirische Untersuchungen liefern seit den späten 1990er Jahren dazu eine Fülle von Einsichten: Innerhalb Deutschlands sind fast 40 % der Bürger*innen ehrenamtlich tätig, wobei das Engagement im Sport oder für Menschen mit Unterstützungsbedarf überwiegt. Dieses freiwillige Engagement wird in einer wachsenden Zahl jenseits der Vereine, Verbände und Institutionen inmitten der Zivilgesellschaft wahrgenommen. Zugleich verändert sich die Motivlage ehrenamtlicher Tätigkeit – weg von der „Aufopferung“ und der moralischen Verpflichtung hin zur Bereicherung und Zufriedenheit des Lebens. Auch innerhalb der Kirchen lässt sich dieser Prozess anhand von Untersuchungen, die vornehmlich in den 2010er Jahren stattfanden, beobachten. Die sechste Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (2024) zeigt zugleich, wie bedeutsam die Rolle der Kirche als Ort der Würdigung vorhandener Kompetenzen für den Zusammenhalt der Zivilgesellschaft ist. Auf dieser Grundlage wird es sinnvoll sein, auch in Zukunft zu einer Theologie des Ehrenamtes zu finden, die sich an der paulinischen Charismenlehre orientiert und von dort aus zur Stärkung des Ehrenamtes im kirchlichen Umfeld fähig wird.

SachschlagwortBarmherzigkeit, Bürger*in, Dienst, Dienstgemeinschaft, Familie, Gemeinwohl, Kirche, Kirchenmitgliedschaft, Partizipation, Sport, Zivilgesellschaft
Version1.0
Kirche und Politik(Autor*in )
Veröffentlicht25.11.2025
Exzerpt

Das Thema „Kirche und Politik“ ist immer aktuell. In der Gegenwart verweisen beide Sphären aufeinander, während sie in der Vergangenheit oftmals ineinander verschlungen waren. Die römisch-katholische Kirche hat lange Zeit die Suprematie der geistlichen über die weltliche Gewalt beansprucht. Die Reformation setzte auf Unterscheidung und Trennung der beiden. Gegenwärtig engagieren sich in Deutschland die christlichen Kirchen, die muslimischen Verbände und der Zentralrat der Juden für die Stärkung der liberalen Demokratie. Aber es gibt auch religiöse Akteure, die autoritäre politische Systeme unterstützen. Dieser Beitrag fokussiert wegen der national sehr unterschiedlichen Traditionen und verfassungsrechtlichen Ausgangslagen die Situation in Deutschland.

Artikelsammlung
SachschlagwortChristentum, Demokratie, Freiheit, Gesellschaft, Institution, Kirche, Kirchenkampf, Macht, Politik, Politische Theologie, Staat, Verantwortung, Zivilgesellschaft, Öffentliche Theologie, Öffentlicher Protestantismus, Öffentlichkeit
Version1.0
Öffentliche Theologie(Autor*in )
Veröffentlicht01.05.2025
Exzerpt

„CSU treibt Schindluder mit einem Glaubenssymbol“. Unter diesem Titel veröffentlichte der emeritierte Münchner Theologieprofessor Friedrich Wilhelm Graf  oes-gnd-icon waiting... im April 2018 einen Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung, in dem er zu der Entscheidung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder Stellung nimmt, in bayerischen Behörden Kreuze aufhängen zu lassen. Graf erzählt die Geschichte des Kreuzsymbols nach, erläutert dessen Bedeutungen in der christlichen Religionskultur und kommt zum Ergebnis: Die Staatsregierung missbrauche das Kreuz „für sehr vordergründige politische Zwecke“.

Das Beispiel von Grafs Gastbeitrag zeigt, wie Theologie verständlich, relevant und impulsgebend an einer gesellschaftlichen Debatte über eine aktuelle politische Frage teilnehmen kann. Genau das reflektiert Öffentliche Theologie; genau darauf drängt Öffentliche Theologie: die gesellschaftliche Relevanz von theologischen Diskursen und die Verhandlung gesellschaftlich drängender Fragen in der Theologie. Öffentliche Theologie denkt darüber nach, wie Theologie öffentlich ist.

Damit bezeichnet Öffentliche Theologie weder eine neue theologische Disziplin neben Kirchengeschichte, den biblischen Fächern, Praktischer und Systematischer Theologie. Noch lässt sie sich auf Ethik reduzieren. Vielmehr betont sie die Querschnittsaufgabe der Theologie, ihren öffentlichen Charakter zu bedenken. Öffentliche Theologie meint auch kein kirchenpolitisches Programm oder eine neue Schule theologischer Denkrichtung, sondern überschreibt einen Diskurs, in dem Fragen öffentlicher Relevanz in unterschiedlichen Perspektiven reflektiert werden.

Artikelsammlung
SachschlagwortDiskurs, Evangelium und Gesetz, Kommunikation, Königsherrschaft-Christi-Lehre, Naturrecht, Politische Theologie, Postkoloniale Studien, Verkörperung, Zivilgesellschaft, Zwei-Reiche-Lehre, Öffentliche Theologie, Öffentlicher Protestantismus, Öffentlichkeit, Übersetzung
Version1.0