Nachweise in SysLex
Eudaimonismus(Autor*in )
| Veröffentlicht | 29. August 2025 |
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| Exzerpt | Der Eudaimonismus ist eine Form der ethischen Reflexion, die sich auf die Eudaimonia, das höchste Gut des menschlichen Lebens, und seine Beziehung zur Tugend konzentriert. Das frühe und mittelalterliche christliche Denken, das diesen Fragehorizont von der griechischen Moralphilosophie übernahm, formte ihn in Bezug auf die biblischen ethischen Traditionen um, in deren Mittelpunkt die rechte Beziehung zu Gott stand. Gott wurde als finis ultimus (wörtl. letztes Ziel) und höchstes Gut verstanden. In freundschaftlicher Verbindung zu ihm sei das Glück zu finden. Der ekstatische, selbsttranszendierende Charakter dieser Tradition ging in der frühen Neuzeit mit dem Aufkommen des Utilitarismus verloren. Zeitgenössische Debatten über den Eudaimonismus drehen sich um die Frage, ob er unangemessen selbstbezogen ist. |
| Sachschlagwort | Agape, Glück, Liebe, Quietismus, Tugend, Utilitarismus, Wohlstand, finis ultimus, höchstes Gut |
| Version | 1.0 |
Geist Gottes(Autor*in )
| Veröffentlicht | 1. Mai 2025 |
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| Exzerpt | „Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ Dieser Satz bildet den Schluss des Apostolischen Glaubensbekenntnisses (bezeugt seit 404), das in allen westlichen Traditionen gebetet wird. Es ist trinitarisch aufgebaut, das heißt, es gibt an, was unter dem Glauben an Gott, den Schöpfer (vgl. Art. Schöpfung) und Vater, an Jesus Christus und an den Heiligen Geist zu verstehen ist. Doch lässt die Rede des dritten Glaubensartikels von Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und dem ewigen Leben als Erklärung für den Heiligen Geist nicht viele Gläubige eher ratlos zurück? Wie können wir den Heiligen Geist verstehen? Das hebräische und das griechische Wort für Geist (Ruach und Pneuma) steht auch für Wind. Wie der Wind, so „überkommt“ der Geist Menschen, er „kommt herab“. Er „ergreift“ sowohl einzelne Menschen als auch Gemeinschaften. Doch da er schwer zu fassen ist, wird er gern als numinose, als unbegreifliche göttliche Macht angesehen. Ist es also sinnlos, sich um ein klares Verständnis von Gottes Geist zu bemühen? Wie können wir deutlich machen: Gottes Geist, der Heilige Geist, ist eine sehr reale Kraft, die Menschen befreit und erhebt? Er ist ein unbedingt guter Geist und muss von allen möglichen Geistern und natürlichen und kulturellen Mächten und Kräften unter den Menschen unterschieden werden. Das gelingt nicht über den religiös überhöhten Bezug auf eine Naturromantik. Denn auch wenn der göttliche Geist mit seinem „Überkommen“ an eine angenehm wärmende Sonne, einen kühlenden Wind oder einen ersehnten Regen erinnern kann, darf er nicht mit natürlichen und kosmischen Kräften verwechselt werden.[1] Die Sonne kann verbrennen, Stürme und Unwetter können vernichten und töten. Und alles natürliche Leben lebt unabdingbar auf Kosten von anderem Leben.[2] Auf welch anderem Weg können wir den unbedingt guten Geist Gottes, den Heiligen Geist, zu erfassen suchen? Biblische Texte und Geschichten können uns davor bewahren, im Eindruck stecken zu bleiben: Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten – das sind doch nur verstiegene Sprechblasen vergangener Zeiten. Biblische Orientierungen, gerade an Texten des Alten Testaments, führen heraus aus dem Geflecht von Unklarheiten. [1] Vgl. dazu Moltmann, Jürgen, Der Geist des Lebens. Eine ganzheitliche Pneumatologie, Gütersloh 2010. Er möchte den Geist entdecken „in der Natur, in den Pflanzen, in den Tieren und in den Ökosystemen der Erde“ (23), „Gott in allen Dingen erfahren“ (49ff.). [2] Vgl. Welker, Michael, „Der Geist der Freiheit und die Freiheit des Geistes“, in: Theologie im Gespräch. Jürgen Moltmann zum 95. Geburtstag, Bad Boll, 22.–24.10.2021, epd-Dokumentation 5, 2022, 7–12.
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| Artikelsammlung | |
| Sachschlagwort | Gemeinschaft, Glauben, Gott, Kirche, Offenbarung, Relation, Sakrament, Trinität, Wunder |
| Version | 1.0 |
Gerechtigkeit (ethisch)(Autor*in )
| Veröffentlicht | 31. Oktober 2025 |
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| Exzerpt | Gerechtigkeit ist ein zentraler und hochgradig umstrittener ethischer Begriff. Gerechtigkeitsforderungen sind oft durch das Gefühl empfundener Ungerechtigkeit motiviert. Formal lässt sich Gerechtigkeit als die gerechtfertigte und gleichmäßige Berücksichtigung des jeweils Angemessenen definieren. Die heute als Minimalstandards etablierten Kriterien – etwa das Gleichheitsgebot oder faire Verfahren – lassen sich bis in die griechische Antike (Aristoteles |
| Artikelsammlung | |
| Sachschlagwort | Ethik, Fundamentalethik, Gesellschaft, Menschenwürde, Pluralismus, Sozialethik, Staat, Teilhabe, Verantwortung, Vulnerabilität, Wirtschaft, Zwei-Reiche-Lehre, epistemische Gewalt |
| Version | 1.0 |
Gesetz(Autor*in )
| Verwandte Artikel | |
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| Veröffentlicht | 1. Mai 2025 |
| Exzerpt | In der Theologie des Gesetzes treffen dogmatische, ethische und exegetische Fragen aufeinander. Neben der Frage nach einer ethischen Orientierung am Willen Gottes stehen hier auch die Heilsbedeutung des Gesetzes vor allem in seiner Unterscheidung und Zuordnung zum Evangelium in der Diskussion. Daneben ist aber auch immer zu fragen, wie und woran der sich im Gesetz ausdrückende Wille Gottes erkennbar ist. |
| Artikelsammlung | |
| Sachschlagwort | Dekalog/ Zehn Gebote, Dialektische Theologie, Ethik, Evangelium, Fundamentalethik, Gesetz, Kirchenkampf, Naturrecht, Neuluthertum, Ordnungstheologie, Queere Theologie, Reformation, Schöpfungsordnung, Situationsethik, Tora, Wort Gottes |
| Version | 1.0 |
Glück(Autor*in )
| Veröffentlicht | 16. Dezember 2025 |
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| Exzerpt | In der Theologiegeschichte wurde der Glücksbegriff lange stiefmütterlich behandelt. Das liegt zum einen daran, dass bis zur Reformation vor allem die Glückseligkeit als jenseitiges Heil als Ziel des menschlichen Lebens und Strebens gedacht wurde. „Glück“ als irdisches Gut und im Hier und Jetzt Gegebenes kommt erst mit der Neuzeit in den Fokus. Der Versuch einer zeitgenössischen Definition muss mit einem stark subjektivistischen Verständnis von Glück umgehen: „Glück ist das, was Menschen sich darunter vorstellen.“[1] Zwischen Glücksforschern und -angeboten unterschiedlichster Weltanschauungen sucht die christliche Theologie in den letzten Jahrzehnten wieder verstärkt nach einer anschlussfähigen, biblisch reflektierten Orientierung für das menschliche Streben nach Glück. |
| Sachschlagwort | Anthropologie, Begehren, Existenz, Gefühl, Gegenwart Gottes, Heil, Leben, Leid, Lust, Mensch, Philosophie, Reich Gottes, Würde, höchstes Gut |
| Version | 1.0 |
Kirchenlied (ethisch)(Autor*in )
| Veröffentlicht | 1. Mai 2025 |
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| Exzerpt | Im Wesentlichen sind im Blick auf das Kirchenlied zwei ethische Perspektiven zu unterscheiden, die sich aus der formalen Gestalt dieser musikalischen Gattung ergeben. Erstens handelt es sich bei Kirchenliedern ausschließlich um textgebundene Musik, sodass die Liedtexte etwa hinsichtlich der ihnen inhärenten Aussagen über das Menschsein oder Aufforderungen zum Handeln beziehungsweise Unterlassen Gegenstände einer ethischen Untersuchung sein können. Zweitens entfalten sich ethische Implikationen des Kirchenliedes aber vor allem in performativer Dimension. Die Partizipation an und durch Musik an und in situativ je eigenen Kontexten hat nachgewiesene psychische Effekte, die aus ethischer Sicht besonders bedenkenswert sind. Der Schwerpunkt in diesem Beitrag wird auf der Musik liegen. |
| Artikelsammlung | |
| Sachschlagwort | Emotion, Gemeinschaft, Gottesdienst, Musik, Theologie |
| Version | 1.0 |
Rache(Autor*in )
| Veröffentlicht | 15. Juli 2025 |
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| Exzerpt | Dieser Artikel zeigt auf, an welchen Stellen Rache und Vergeltung in Geschichte und Gegenwart systematisch-theologisch behandelt und bewertet werden. In zwei grundlegenden Linien werden einige wesentliche Argumente und Positionen zu dieser Bewertung dargestellt. Am Ende stehen Einsichten für eine theologische Perspektive auf Rache und Vergeltung heute. |
| Sachschlagwort | Emotion, Gefühl, Gerechtigkeit, Gnade, Recht, Strafe |
| Version | 1.0 |
Theologische Ethik(Autor*innen )
| Veröffentlicht | 5. März 2026 |
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| Exzerpt | Theologische Ethik beschäftigt sich mit der Reflexion von Moral und Ethos vor dem Hintergrund des christlichen Glaubens. Sie analysiert entsprechend Handlungsorientierungen und Diskurse über das gute Leben und Lebensführung. Dabei nimmt sie sowohl normative Vorstellungen von Individuen als auch die Strukturen, in die Individuen eingebunden sind, in den Blick. Die wissenschaftliche Ethik befasst sich dabei mit aktuellen Themen in verschiedenen anwendungsorientierten Bereichsethiken, wie Medizinethik, politische Ethik und Umweltethik. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit metaethischen Fragestellungen. Es existiert eine Vielzahl verschiedener protestantischer ethischer Ansätze, die sich jeweils unterschiedlich zu bestehenden Spannungsfeldern verhalten. Dazu zählen beispielsweise die Frage nach dem Verhältnis von evangelischer Tradition und gegenwärtigen Herausforderungen, die Balance zwischen deskriptiven Aufgaben und normativer Orientierung sowie die Reflexion über das Verhältnis von theologischer und philosophischer Ethik. |
| Artikelsammlung | |
| Sachschlagwort | Autonomie, Ethik, Freiheit, Fundamentalethik, Fähigkeit, Gebot, Gerechtigkeit, Gesetz, Gesinnungsethik, Handlung, Individuum, Normative Ethik, Normen, Nächstenliebe, Person, Prinzipienethik, Recht, Rechte, Sozialethik, Systematische Theologie, Theologie, Utilitarismus, Verantwortung, Verantwortungsethik, Vernunft, Wissenschaft |
| Version | 1.0 |
Wirtschaft(Autor*in )
| Veröffentlicht | 16. September 2025 |
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| Exzerpt | Die „Wirtschaft“ ist seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts zur dominanten Bestimmungsgröße des alltäglichen Lebens geworden. Grundlegend ist die Frage, wie wirtschaftliches Handeln koordiniert und ordnungspolitisch gestaltet werden soll. Im Prozess der Ökonomisierung aller wirtschaftlichen und zunehmend auch nicht-wirtschaftlichen Lebensbereiche kommt dem Geld tendenziell die Bedeutung der alles bestimmenden Wirklichkeit zu. Die ethische Herausforderung besteht darin, Geld und Wirtschaft in einen Horizont der „Lebensdienlichkeit“ einzubetten. |
| Artikelsammlung | |
| Sachschlagwort | Arbeit, Arbeitsteilung, Armut, Digitalisierung, Digitalwirtschaft, Geld, Gerechtigkeit, Kapitalismus, Lohn, Markt, Marktwirtschaft, Nachhaltigkeit, Naturkatastrophe, Preis, Revolution, Schöpferische Zerstörung, Sozialismus, Wert, Wirtschaft, Ökonomisierung |
| Version | 1.0 |
Nachweise in SysLex [English]
Eudaimonism(Autor*in )
| Veröffentlicht | 1. Mai 2026 |
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| Exzerpt | Eudaimonism is a form of ethical reflection focused on eudaimonia, the highest good for human life, and its relationship to virtue. Early and medieval Christian thought, inheriting this pattern of thought from Greek moral philosophy, reshaped it in relation to biblical ethical traditions centered on right relationship to God; God was understood as final end and highest Good, in friendship with whom happiness is to be found. The ecstatic, self-transcending character of this tradition was lost in the early modern period, with the rise of utilitarianism. Contemporary debates about eudaimonism center around the question of whether it is improperly self-regarding. |
| Version | 1.0 |
Holy Spirit(Autor*in )
| Veröffentlicht | 1. Mai 2026 |
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| Exzerpt | “I believe in the Holy Spirit, the holy Christian church, the communion of saints, the forgiveness of sins, the resurrection of the dead and eternal life.” This sentence forms the conclusion of the Apostles’ Creed (witnessed since 404), which is prayed in all Western traditions. It has a Trinitarian structure, i.e. it states what is meant by faith in God, the Creator (cf. art. Creation) and Father, in Jesus Christ and in the Holy Spirit. But doesn’t the third article of faith’s talk of the communion of saints, forgiveness of sins, resurrection of the dead and eternal life as an explanation for the Holy Spirit leave many believers rather perplexed? How can we understand the Holy Spirit? The Hebrew and Greek words for spirit (ruach and pneuma) also stand for wind. Like the wind, the spirit “overcomes” people, it “descends.” It “takes hold” of both individuals and communities. However, as it is difficult to grasp, it is often regarded as a numinous, incomprehensible divine power. So is it pointless to strive for a clear understanding of God’s spirit? How can we make it clear that God’s Spirit, the Holy Spirit, is a very real power that liberates and uplifts people? He is an unconditionally good spirit and must be distinguished from all kinds of spirits and natural and cultural powers and forces among people. This cannot be achieved through a religiously exaggerated reference to the romance of nature. For even if the divine spirit with its “overcoming” can remind us of a pleasantly warming sun, a cooling wind or a longed-for rain, it must not be confused with natural and cosmic forces.[1] The sun can burn, storms and thunderstorms can destroy and kill. And all natural life inevitably lives at the expense of other life. In what other way can we seek to grasp the unconditionally good spirit of God, the Holy Spirit? [1] Cf. Moltmann, Jürgen, Der Geist des Lebens. Eine ganzheitliche Pneumatologie, Gütersloh 2010. He wants to discover the spirit “in nature, in plants, in animals and in the earth’s ecosystems” (23), “to experience God in all things” (49ff.), translation by Michael Welker. [2] Cf. Welker, Michael, Der Geist der Freiheit und die Freiheit des Geistes, in: Theologie im Gespräch. Jürgen Moltmann zum 95. Geburtstag, Bad Boll, 22.–24.10.2021, epd-Dokumentation 5, 2022, 7–12.
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| Artikelsammlung | |
| Version | 1.0 |
Hymn (Christian Ethics)(Autor*in )
| Veröffentlicht | 1. Mai 2026 |
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| Exzerpt | Essentially, two ethical perspectives can be distinguished when it comes to the Church hymn, both of which emerge out of the formal character (Gestalt) of this genre of music. First, we are with the Church hymn dealing exclusively with text-bound music. These texts can be the object of ethical analysis with respect to their inherent claims about human existence or with respect to the ways in which they either prompt action or the omission of action. Second and even more primarily, the ethical implications of the Church hymn disclose themselves in the performative dimension. Participation in and through music in particular situational contexts has demonstrable effects on the body that are worthy of ethical consideration. The emphasis in this essay lies on the music. |
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| Version | 1.0 |
Law(Autor*in )
| Veröffentlicht | 1. Mai 2026 |
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| Exzerpt | Dogmatic, ethical, and exegetical questions intertwine with each other in the theology of law. Along with the question regarding an ethical orientation towards God’s will, what is also under discussion in the theology of the law is the law’s significance for salvation, especially in its distinction from, and relationship to, the Gospel. In addition, we must also always ask how, and by what means, the will of God is expressed in the law. |
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| Version | 1.0 |

