Menschenwürde

Nachweise in SysLex

Behinderung (ethisch)(Autor*in )
Veröffentlicht29.10.2026
Exzerpt

Eine Behinderung ist kein Merkmal eines Menschen, sondern ergibt sich aus dem Zusammenspiel zwischen Umweltbedingungen und Beeinträchtigungen eines Menschen. In diesem Sinne wird ein Mensch behindert, soll aber nicht als der oder die „Behinderte“ etikettiert werden, weil damit impliziert würde, dass dieser Mensch ein Defizit habe. Dieser Wechsel im heutigen Begriffsverständnis zeigt an, dass eine Behinderung kulturgeschichtlich unterschiedlich gedeutet wurde und gegenwärtig vor allem die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen leitende Orientierung ist. Auf Grundlage der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) sollen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Selbstbestimmung der betroffenen Menschen befördert werden.

SachschlagwortAbwertung, Assistenz, Beeinträchtigung, Behinderung, Gottebenbildlichkeit, Inklusion, Menschenwürde, Norm, Selbstbestimmung, Teilgabe, Teilhabe, medizinisches Modell, natürliche Ordnung, soziale Konstruktion
Version1.0
Gerechtigkeit (ethisch)(Autor*in )
Veröffentlicht31.10.2025
Exzerpt

Gerechtigkeit ist ein zentraler und hochgradig umstrittener ethischer Begriff. Gerechtigkeitsforderungen sind oft durch das Gefühl empfundener Ungerechtigkeit motiviert. Formal lässt sich Gerechtigkeit als die gerechtfertigte und gleichmäßige Berücksichtigung des jeweils Angemessenen definieren. Die heute als Minimalstandards etablierten Kriterien – etwa das Gleichheitsgebot oder faire Verfahren – lassen sich bis in die griechische Antike (Aristoteles  oes-gnd-icon waiting... ) und ihre Ausarbeitung in der Scholastik (Thomas von Aquin  oes-gnd-icon waiting... ) zurückverfolgen. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ranken sich viele Gerechtigkeitsdebatten um das Konzept der sozialen Gerechtigkeit, verstanden als Ausgleich zwischen Freiheit und Gleichheit. Im Ringen um ihr Verständnis spielen nicht nur materiale Gesichtspunkte (von Rawls  oes-gnd-icon waiting... bis zum Capabilities Approach entfaltet), sondern zunehmend auch prozedurale Gesichtspunkte – im Anschluss an postkoloniale und intersektionale Diskurse gefragt: „Wer darf mitreden?“ – eine zentrale Rolle. In beiden Debattensträngen kann sich die bibeltheologische Tradition des Verständnisses von Gerechtigkeit als Gemeinschaftstreue transpartikularisierend einbringen.

Artikelsammlung
SachschlagwortEthik, Fundamentalethik, Gesellschaft, Menschenwürde, Pluralismus, Sozialethik, Staat, Teilhabe, Verantwortung, Vulnerabilität, Wirtschaft, Zwei-Reiche-Lehre, epistemische Gewalt
Version1.0
Geschöpf (ethisch)(Autor*in )
Veröffentlicht16.09.2026
Exzerpt

Von sich selbst, seinen Mitmenschen, von Tieren oder von weiteren Größen als Geschöpf (lat. creatura) zu sprechen, gehört zur traditionellen wie gegenwärtigen Grundgrammatik des christlichen Glaubens. Mit dieser Redeweise verbinden sich weitreichende ethische Implikationen; besonders gilt dies für die Verwendung der Abstrakta Geschöpflichkeit und Kreatürlichkeit sowie der Komposita Mitgeschöpf bzw. Mitgeschöpflichkeit. Die Reflexion der Frage, was es bedeutet, als Gottes Geschöpf im Kontext anderer Geschöpfe zu leben, bildet damit einen Kernbestand christlich-theologischer Ethik.

SachschlagwortBeziehung, Demut, Ethik, Gabe, Geschöpf, Gottebenbildlichkeit, Leben, Menschenwürde, Natur, Ordnungstheologie, Relation, Schöpfung, Tier, Tierethik, Umweltethik, Vulnerabilität
Version1.0
Gleichheit(Autor*in )
Veröffentlicht01.05.2025
Exzerpt

Wachsende Ungleichheit ist zu einem nicht mehr zu verdrängenden sozialen, gesellschaftlichen wie politischen Phänomen geworden, deren ökonomische und soziologische Hintergründe in den globalisierten Zusammenhängen spätmoderner Gesellschaften zunehmend ins Bewusstsein treten. Dabei werden diese Debatten um Gleichheit und Gerechtigkeit durch Diversity- und Identitätsdebatten noch angeschärft, wie sie in den Kulturwissenschaften sowie in den Gender-, Migrations- und Inklusionsdiskursen vorangetrieben werden. Kann es sein, dass gerade im Bestreben Gleichheit herzustellen, Identitäten verletzt oder missachtet werden? Offensichtlich muss Gleichheit nicht allein gerechtigkeitstheoretisch, sie muss auch identitäts- und differenztheoretisch reflektiert werden.[i] Doch welche Denkkategorien bieten sich dafür an?

[i] Grümme, Bernhard, Öffentliche Politische Theologie. Ein Plädoyer, Freiburg i. Br. 2023, 122–185.

Artikelsammlung
SachschlagwortGerechtigkeit, Gesellschaft, Gottebenbildlichkeit, Identität, Menschenrechte, Menschenwürde
Version1.0
Gottebenbildlichkeit(Autor*in )
Veröffentlicht07.05.2026
Exzerpt

Die Rede von der Gottebenbildlichkeit zieht mindestens drei Fragen nach sich: Wie hat Gott den Menschen geschaffen? Wie ist das Verhältnis zwischen Gott und Mensch gestaltet? Welche Aufgaben werden den Menschen zugeschrieben? Dabei sind Gottebenbildlichkeit und Menschenwürde eng zusammen zu denken, aber nicht gleichzusetzen. In ihrer Gottebenbildlichkeit erweisen sich alle Menschen als gleich. So verdienen sie Respekt und Anerkennung. Genauso erhalten sie Aufgaben zugewiesen.

Artikelsammlung
SachschlagwortAnerkennung, Anthropologie, Auferstehung, Bund, Christologie, Eschatologie, Frau, Freiheit, Friedensethik, Gemeinschaft, Geschlecht, Gottebenbildlichkeit, Herrschaft, Kreuz, Künstliche Intelligenz, Mann, Medizinethik, Menschenwürde, Naturrecht, Rechte, Rechtfertigung, Relation, Religionsfreiheit, Schöpfer, Schöpfung, Sozialethik, Staat, Sünde, Transhumanismus, Verantwortung, Wirtschaft, Öffentliche Theologie
Version1.0
Mensch (dogmatisch)(Autor*in )
Veröffentlicht13.10.2026
Exzerpt

Die theologische Anthropologie reflektiert im interdisziplinären Austausch das Menschsein vor Gott. Sie lässt sich in Anlehnung an den menschlichen Lebenslauf gliedern: vom Ursprung des menschlichen Lebens, in dem zugleich seine Zielbestimmung liegt, über das Leben in Beziehungen bis hin zur Hoffnung über den Tod hinaus. Dabei sind gegenwärtig verschiedene kritische Anfragen an die theologische Anthropologie zu bedenken (vor allem Kritik am Essentialismus, Kritik am Anthropozentrismus, Kritik am Gottesbezug). Die Beziehung zu Gott als Grund und Ziel menschlichen Lebens lässt zugleich die Vielfalt des Menschseins, seine Eingebundenheit in die Mitwelt und das Ineinander von Endlichkeit und Zukunftsoffenheit zutage treten.

Artikelsammlung
SachschlagwortAnthropologie, Anthropomorphismus, Anthropozän, Auferstehung, Beziehung, Eschatologie, Ewiges Leben, Fleisch, Frau, Freiheit, Geschöpf, Glück, Gottebenbildlichkeit, Humanität, Identität, Individuum, Körper, Leben, Leib-Seele-Problem, Leib, Leibphänomenologie, Mann, Menschenwürde, Mitwelt, Passivität, Person, Posthumanismus, Postkoloniale Studien, Queere Theologie, Religionskritik, Schöpfung, Selbstbewusstsein, Sexualität, Sprache, Sterben, Subjekt, Sünde, Technologie, Tier, Tod, Transhumanismus, Transzendenz, Vernunft, Vertrauen, Vielfalt, Vulnerabilität, Willensfreiheit
Version1.0
Pflicht(Autor*in )
Verwandte Artikel
Veröffentlicht01.05.2025
Exzerpt

Der Begriff der Pflicht bezieht sich auf das Sollen, das dem einzelnen Menschen ethisch oder rechtlich geboten ist. Er spielte bereits in der antiken Philosophie eine Rolle. Jedoch stieg er erst in der Aufklärungsepoche in das Zentrum der Ethik auf. Obwohl er im 20. Jahrhundert durch „Verantwortung“ als neuem Leitbegriff der Ethik abgelöst wurde, ist er für ethische Argumentationen unverzichtbar geblieben.

SachschlagwortGebot, Gesetz, Medizinethik, Menschenwürde, Pflicht, Recht
Version1.0
Repräsentation(Autor*in )
Veröffentlicht01.05.2025
Exzerpt

Die zwei wohl bekanntesten Bereiche der Repräsentation sind der politische in der parlamentarischen Demokratie und der rechtliche im Kontext juristischer Advokation. Daneben durchziehen bei genauerem Hinsehen Repräsentationsprozesse alle Lebensbereiche moderner Gesellschaften: in der Wirtschaft die organisierte gewerkschaftliche Vertretung von Arbeitnehmer:innen oder in den sozialen Diensten die Assistenz von Menschen in Beeinträchtigung. Repräsentation ist ein Grundvollzug des sozialen Lebens und somit unumgänglich. Aber sie ist auch stets problematisch, denn wenn Menschen nicht für sich selbst sprechen (können), besteht ein Exklusionsproblem. Wenn andere für sie sprechen (müssen), besteht die Gefahr des Paternalismus.

SachschlagwortGeschlecht, Herrschaft, Kirche, Menschenwürde, Rassismus, Recht, Sexismus, epistemische Gewalt, strukturelle Gewalt
Version1.0
Sexualität(Autor*in )
Veröffentlicht01.05.2025
Exzerpt

Sexualität ist dem Menschen nicht einfach gegeben, sondern zur Gestaltung aufgegeben. Diese Überzeugung bildet den übergreifenden Horizont der theologischen Reflexion über Sexualität, in der Vorstellungen darüber, was Sexualität ist, mit Vorstellungen darüber einhergehen, wie Sexualität zu sein hat. In der traditionellen Sexualethik entstanden daraus Normengefüge, die detailliert regelten, wem was wann wie und mit wem erlaubt oder verboten war. Dagegen ist in den letzten Jahrzehnten eine stärkere Beziehungsorientierung der Sexualethik zu beobachten: Nicht mehr einzelne sexuelle Handlungen stehen im Mittelpunkt, sondern die Umstände und Bedingungen ihres Zustandekommens und Vollzugs.

Artikelsammlung
SachschlagwortBeziehung, Fortpflanzung, Freiheit, Fruchtbarkeit, Gewalt, Humanität, Identität, Interaktionsmoral, Konsensmoral, Lust, Machtmissbrauch, Menschenwürde, Selbstbestimmung, Sexualethik, Sexualität
Version1.0
Soldat*in(Autor*in )
Veröffentlicht29.10.2026
Exzerpt

Soldat*innen sind Angehörige der Streitkräfte, die im Auftrag des Staates militärische Gewalt androhen oder einsetzen. Ihr Berufsbild hat sich im Laufe der Geschichte stark verändert. Die Bundeswehr versteht Soldat*innen heute als „Staatsbürger*innen in Uniform“, die an das Grundgesetz, die Menschenwürde sowie die demokratische Kontrolle gebunden sind. Das Leitbild der Inneren Führung betont verantwortungsbewusstes Handeln, Gewissen, demokratische Werte und Frieden als Grundlage des soldatischen Dienstes. Aus evangelischer Sicht kann Militärdienst unter bestimmten Bedingungen dem Gerechten Frieden dienen. Der Einsatz militärischer Gewalt bringt dabei ethische Konflikte und die Gefahr des Schuldigwerdens mit sich.

SachschlagwortBefehl, Beruf, Demokratie, Ethik, Gerechter Frieden, Gewalt, Gewissen, Menschenwürde, Politik, Recht, Streitkräfte, Verteidigung
Version1.0