Niklas Luhmann

Nachweise in SysLex

Geist Gottes(Autor*in )
Veröffentlicht1. Mai 2025
Exzerpt

„Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ Dieser Satz bildet den Schluss des Apostolischen Glaubensbekenntnisses (bezeugt seit 404), das in allen westlichen Traditionen gebetet wird. Es ist trinitarisch aufgebaut, das heißt, es gibt an, was unter dem Glauben an Gott, den Schöpfer (vgl. Art. Schöpfung) und Vater, an Jesus Christus und an den Heiligen Geist zu verstehen ist. Doch lässt die Rede des dritten Glaubensartikels von Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und dem ewigen Leben als Erklärung für den Heiligen Geist nicht viele Gläubige eher ratlos zurück? Wie können wir den Heiligen Geist verstehen?

Das hebräische und das griechische Wort für Geist (Ruach und Pneuma) steht auch für Wind. Wie der Wind, so „überkommt“ der Geist Menschen, er „kommt herab“. Er „ergreift“ sowohl einzelne Menschen als auch Gemeinschaften. Doch da er schwer zu fassen ist, wird er gern als numinose, als unbegreifliche göttliche Macht angesehen. Ist es also sinnlos, sich um ein klares Verständnis von Gottes Geist zu bemühen? Wie können wir deutlich machen: Gottes Geist, der Heilige Geist, ist eine sehr reale Kraft, die Menschen befreit und erhebt? Er ist ein unbedingt guter Geist und muss von allen möglichen Geistern und natürlichen und kulturellen Mächten und Kräften unter den Menschen unterschieden werden. Das gelingt nicht über den religiös überhöhten Bezug auf eine Naturromantik. Denn auch wenn der göttliche Geist mit seinem „Überkommen“ an eine angenehm wärmende Sonne, einen kühlenden Wind oder einen ersehnten Regen erinnern kann, darf er nicht mit natürlichen und kosmischen Kräften verwechselt werden.[1] Die Sonne kann verbrennen, Stürme und Unwetter können vernichten und töten. Und alles natürliche Leben lebt unabdingbar auf Kosten von anderem Leben.[2] Auf welch anderem Weg können wir den unbedingt guten Geist Gottes, den Heiligen Geist, zu erfassen suchen?

Biblische Texte und Geschichten können uns davor bewahren, im Eindruck stecken zu bleiben: Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten – das sind doch nur verstiegene Sprechblasen vergangener Zeiten. Biblische Orientierungen, gerade an Texten des Alten Testaments, führen heraus aus dem Geflecht von Unklarheiten.

[1] Vgl. dazu Moltmann, Jürgen, Der Geist des Lebens. Eine ganzheitliche Pneumatologie, Gütersloh 2010. Er möchte den Geist entdecken „in der Natur, in den Pflanzen, in den Tieren und in den Ökosystemen der Erde“ (23), „Gott in allen Dingen erfahren“ (49ff.).

[2] Vgl. Welker, Michael, „Der Geist der Freiheit und die Freiheit des Geistes“, in: Theologie im Gespräch. Jürgen Moltmann zum 95. Geburtstag, Bad Boll, 22.–24.10.2021, epd-Dokumentation 5, 2022, 7–12.

 

Artikelsammlung
SachschlagwortGemeinschaft, Glauben, Gott, Kirche, Offenbarung, Relation, Sakrament, Trinität, Wunder
Version1.0
Gerechtigkeit (ethisch)(Autor*in )
Veröffentlicht31. Oktober 2025
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Gerechtigkeit ist ein zentraler und hochgradig umstrittener ethischer Begriff. Gerechtigkeitsforderungen sind oft durch das Gefühl empfundener Ungerechtigkeit motiviert. Formal lässt sich Gerechtigkeit als die gerechtfertigte und gleichmäßige Berücksichtigung des jeweils Angemessenen definieren. Die heute als Minimalstandards etablierten Kriterien – etwa das Gleichheitsgebot oder faire Verfahren – lassen sich bis in die griechische Antike (Aristoteles oes-gnd-iconwaiting...) und ihre Ausarbeitung in der Scholastik (Thomas von Aquin oes-gnd-iconwaiting...) zurückverfolgen. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ranken sich viele Gerechtigkeitsdebatten um das Konzept der sozialen Gerechtigkeit, verstanden als Ausgleich zwischen Freiheit und Gleichheit. Im Ringen um ihr Verständnis spielen nicht nur materiale Gesichtspunkte (von Rawls oes-gnd-iconwaiting... bis zum Capabilities Approach entfaltet), sondern zunehmend auch prozedurale Gesichtspunkte – im Anschluss an postkoloniale und intersektionale Diskurse gefragt: „Wer darf mitreden?“ – eine zentrale Rolle. In beiden Debattensträngen kann sich die bibeltheologische Tradition des Verständnisses von Gerechtigkeit als Gemeinschaftstreue transpartikularisierend einbringen.

Artikelsammlung
SachschlagwortEthik, Fundamentalethik, Gesellschaft, Menschenwürde, Pluralismus, Sozialethik, Staat, Teilhabe, Verantwortung, Vulnerabilität, Wirtschaft, Zwei-Reiche-Lehre, epistemische Gewalt
Version1.0

Nachweise in SysLex [English]

Holy Spirit(Autor*in )
Veröffentlicht1. Mai 2026
Exzerpt

“I believe in the Holy Spirit, the holy Christian church, the communion of saints, the forgiveness of sins, the resurrection of the dead and eternal life.” This sentence forms the conclusion of the Apostles’ Creed (witnessed since 404), which is prayed in all Western traditions. It has a Trinitarian structure, i.e. it states what is meant by faith in God, the Creator (cf. art. Creation) and Father, in Jesus Christ and in the Holy Spirit. But doesn’t the third article of faith’s talk of the communion of saints, forgiveness of sins, resurrection of the dead and eternal life as an explanation for the Holy Spirit leave many believers rather perplexed? How can we understand the Holy Spirit?

The Hebrew and Greek words for spirit (ruach and pneuma) also stand for wind. Like the wind, the spirit “overcomes” people, it “descends.” It “takes hold” of both individuals and communities. However, as it is difficult to grasp, it is often regarded as a numinous, incomprehensible divine power. So is it pointless to strive for a clear understanding of God’s spirit? How can we make it clear that God’s Spirit, the Holy Spirit, is a very real power that liberates and uplifts people? He is an unconditionally good spirit and must be distinguished from all kinds of spirits and natural and cultural powers and forces among people. This cannot be achieved through a religiously exaggerated reference to the romance of nature. For even if the divine spirit with its “overcoming” can remind us of a pleasantly warming sun, a cooling wind or a longed-for rain, it must not be confused with natural and cosmic forces.[1] The sun can burn, storms and thunderstorms can destroy and kill. And all natural life inevitably lives at the expense of other life. In what other way can we seek to grasp the unconditionally good spirit of God, the Holy Spirit?
Biblical texts and stories can prevent us from getting stuck in our impressions: Forgiveness of sins, the resurrection of the dead – these are just the fanciful speech bubbles of times past. Biblical orientation, especially in the texts of the Old Testament, leads us out of the tangle of ambiguities.

[1] Cf. Moltmann, Jürgen, Der Geist des Lebens. Eine ganzheitliche Pneumatologie, Gütersloh 2010. He wants to discover the spirit “in nature, in plants, in animals and in the earth’s ecosystems” (23), “to experience God in all things” (49ff.), translation by Michael Welker.

[2] Cf. Welker, Michael, Der Geist der Freiheit und die Freiheit des Geistes, in: Theologie im Gespräch. Jürgen Moltmann zum 95. Geburtstag, Bad Boll, 22.–24.10.2021, epd-Dokumentation 5, 2022, 7–12.

 

 

 

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