1. Begriffsherkunft und klassische Themen
Die Bezeichnung „Metaphysik“ (τὰ μετὰ τὰ φυσικά) taucht zunächst als Titel für eine Sammlung von Schriften des Aristoteles ![]()
(385–322 v. Chr.) auf. Dieser Titel wurde nicht von Aristoteles geprägt, sondern lässt sich ab dem 1. Jh. v. Chr. belegen. Eine umstrittene Erklärung für den Namen geht davon aus, dass es sich um die Kennzeichnung einer bibliothekarischen und didaktischen Sortierung handelt: Die Metaphysik von Aristoteles wäre demnach neben bzw. nach dessen Physikvorlesung eingereiht worden.1Vgl. z. B. Inwagen, Peter van et al., Art. Metaphysics, in: The Stanford Encyclopedia of Philosophy, Spring 2026 Edition (https://plato.stanford.edu/archives/spr2026/entries/metaphysics/), abgerufen am 13.05.2026, Abschnitt 1. Es ist allerdings auffällig, dass die Bezeichnung thematisch gut passt, sodass auch von einer gezielten Benennung ausgegangen werden kann.2Vgl. Kobusch, Theo, Art. Metaphysik. II. Aristoteles, in: HWPh 5 (1980), 1188–1196. Metaphysik wäre dann wörtlich eine Beschäftigung mit dem, was über die Physik hinausgeht. Zu beachten ist, dass „Physik“ hierbei nicht im modernen Sinne zu verstehen ist. Etwas allgemeiner wäre Metaphysik daher eine Beschäftigung mit dem, was hinter dem Wirklichen steht, was ihm zugrunde liegt.
Beispiele für sowohl traditionelle als auch neuere klassische Themen der Metaphysik sind: erste Gründe, das Sein als Grundlage alles Seienden (vgl. Art. Ontologie), Substanz und Akzidentien, Universalien, Kategorien, Möglichkeit und Wirklichkeit, Mengen und Zahlen, die Welt, Wahrheit, das Absolute, Gott, das Gute, die Seele, Identität, Zeit, Entwicklungen über die Zeit hinweg, Freiheit, Kausalität, mentale Verursachung, das Soziale.3Vgl. z. T. Mittelstraß, Jürgen, Art. Metaphysik, in: EPhW2 5 (2024), 371–375, 371f. Daneben kann in der unten noch zu thematisierenden schwachen Metaphysik alles Mögliche zum Thema werden, solange es um die Wirklichkeit und deren Grundlage(n) geht.4Besonders einflussreich für das Verständnis von Metaphysik ist die Philosophie Platons ![]()
. Eine Übersicht über diese bietet: Jantzen, Jörg, Art. Metaphysik. I. Die platonische Grundfigur der Metaphysik, in: TRE 22 (1992), 638–644. Einen (englischsprachigen) Überblick über aktuelle Themen und Problemstellungen der (vorrangig analytischen) Metaphysik bietet: Inwagen et al., Metaphysics, Abschnitt 3. Eine aktuelle metaphysische Position unter dem Begriff des Anfangs und orientiert an der Philosophie Hegels ![]()
bietet: Wirsing, Claudia, Anfang und Ursprung. Die klassische Metaphysik und ihre Kritik im 20. Jahrhundert (Blaue Reihe), Hamburg 2026.
2. Philosophiegeschichtliche Anfänge
Die Schriften des Aristoteles ![]()
sind keineswegs die ersten metaphysischen Abhandlungen oder Gedanken. Bereits unter anderem die Vorsokratiker (ca. 600–400 v. Chr.) und Platon ![]()
(ca. 427–347 v. Chr.) betrieben Metaphysik. Metaphysik gehört somit – folgt man der inzwischen keineswegs unumstrittenen5Vgl. z. B. Graneß, Anke, Philosophie in Afrika. Herausforderungen einer globalen Philosophiegeschichte (STW 2390), Berlin 2023, Kapitel 4. These der Anfänge aller Philosophie im antiken Griechenland – von Anfang an als wesentlicher Bereich des Nachdenkens zur Philosophie. Doch auch ohne die These eines (alleinigen) Ursprungs der Philosophie im antiken Griechenland lässt sich feststellen, dass Metaphysik ein wichtiger Bestandteil der Philosophie ist. Ob dabei jede Philosophie (mit der oder ohne die Bezeichnung als „Metaphysik“) auch auf metaphysische Vorgehensweisen zurückgreifen muss, kann an dieser Stelle offen gelassen werden.
Folglich ist Metaphysik in allen Epochen der europäischen Philosophie und darüber hinaus mindestens in vielen Epochen außereuropäischer Philosophien – etwa der arabischen, welche wiederum die Interpretation der Schriften Aristoteles’ ![]()
und Platons ![]()
in der Scholastik beeinflusste –6Vgl. Kobusch, Theo, Art. Metaphysik. III. Antike bis Hochmittelalter, in: HWPh 5 (1980), 1196–1217, 1209–1213. zu finden. Dabei kann Metaphysik als eigene philosophische Disziplin eingeordnet werden.7Vgl. z. B. Enskat, Rainer, Art. Metaphysik, in: RGG4 5 (2002), 1171–1176, 1171. Sie kann aber auch eher eine allgemeine Herangehensweise beschreiben, die neben weiteren Herangehensweisen in verschiedenen philosophischen Disziplinen verwendet wird.8Vgl. auch die noch spezifischer auf eine bestimmte Methodik abzielenden Überlegungen in Inwagen et al., Metaphysics, Abschnitt 4. Eine Übersicht über die geschichtliche Entwicklung der Metaphysik anhand einer Vielzahl wichtiger europäischer Autoren von der Antike über das Mittelalter und die Neuzeit bis ins 20. Jh. bietet: Oeing-Hanho, Ludger/Kobusch, Theo/Borsche, Tilman, Art. Metaphysik, in: HWPh 5 (1980), 1186–1280.
3. Starke und schwache Metaphysik
Die wohl einflussreichste Metaphysikkritik – wobei „Kritik“ hier im Sinne von „Unterscheidung“ zu verstehen ist – wurde von Immanuel Kant ![]()
(1724–1804) in seiner Kritik der reinen Vernunft (1781, 21787) formuliert. In der Vorrede zur zweiten Auflage macht Kant deutlich, dass sein Ziel nicht darin besteht, die Metaphysik abzuschaffen. Stattdessen sollten durch die Kritik im Sinne einer Unterscheidung zwischen dem der Erkenntnis Zugänglichen und dem ihr Unzugänglichen die Voraussetzungen geschaffen werden, um der Metaphysik „den sicheren Gang einer Wissenschaft“9Kant, Immanuel, Kritik der reinen Vernunft (Philosophische Bibliothek 105), Hamburg 1998, B VII. zu weisen. Die Grundidee ist dabei seine (auch „kopernikanische Wende“ bezeichnete) „Umänderung der Denkart“,10Kant, Kritik der reinen Vernunft, B XVI. die darauf zielt, nicht von den Objekten her die Wirklichkeit zu beschreiben, sondern zunächst nach dem Subjekt und dessen Erkenntnisbedingungen zu fragen.11Eine Einführung in Kants Transzendentalphilosophie bietet zum Beispiel: Höffe, Otfried, Immanuel Kant, München 92020.
Auch ohne Kants Erkenntnistheorie im Detail voraussetzen zu müssen, lässt sich damit allgemein eine Unterscheidung entwickeln, wie sie implizit in vielen Diskussionen zur Metaphysik leitend sein dürfte. Eine starke Metaphysik geht davon aus, dass sich in der Theoriebildung und im Denken die Objekte und Strukturen der Wirklichkeit selbst bestimmen lassen. Häufig wird dabei nicht erkenntnistheoretisch danach gefragt, wie ein solches Erreichen der Objekte und Strukturen der Wirklichkeit möglich ist. Es können jedoch auch erkenntnistheoretische Überlegungen einfließen. Diese sind allerdings mit einem starken Vertrauen in die Erkenntnismöglichkeiten, die das Subjekt in Bezug auf eine eindeutige Feststellung der Wirklichkeit hat, verbunden. Eine schwache Metaphysik hingegen geht in jedem Fall von einer Reflexion auf die Erkenntnisbedingungen aus und versteht die in der metaphysischen Theorie entwickelten Objekte und Strukturen der Wirklichkeit als Formierungen des Denkens, die einen Erkenntniswert haben, aber nicht die Wirklichkeit an und für sich beschreiben müssen.
Üblicherweise wird starke Metaphysik als eigene Disziplin betrieben, während schwache Metaphysik eine Herangehensweise darstellt, die disziplinenübergreifend verwendet wird.
4. Moderne Metaphysikkritik
Metaphysik wurde und wird immer wieder kritisch beäugt und abgelehnt. Dies gilt nicht nur für die Philosophie, sondern ebenfalls für die Theologie. Als ein Beispiel kann die durch den jungen Friedrich Schleiermacher ![]()
(1768–1834) vorgenommene Unterscheidung zwischen Metaphysik und Religion genannt werden.12Vgl. Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern (1799), in: KGA I.2, Berlin/New York 1984, 185–326, 199–201. Zu beachten ist, dass der spätere Schleiermacher gleichwohl auf die klassische Metaphysik seiner Zeit zurückgegriffen und diese sogar weiterentwickelt hat. Wurden metaphysische Ansätze zu allen Zeiten auch von Kritik begleitet,13Vgl. z. B. Rentsch, Thomas/Cloeren, Hermann J., Art. Metaphysikkritik, in: HWPh 5 (1980), 1280–1294. kann – zum Beispiel unter dem Stichwort eines „nachmetaphysischen Zeitalters“ – in losem Anschluss an Kant ![]()
, jedoch ohne eine Differenzierung zwischen starker und schwacher Metaphysik vorzunehmen, eine grundsätzliche Ablehnung der Metaphysik erfolgen.14Nicht im Sinne eines „Zeitalters“, aber zumindest als anzustrebendes philosophisches Programm wird dies einflussreich entwickelt in der Aufsatzsammlung: Habermas, Jürgen, Nachmetaphysisches Denken. Philosophische Aufsätze, Frankfurt a. M. 1988. So wichtig Problematisierungen von metaphysischen Theorien sind, dürfte eine genauere Differenzierung dessen, was in der jeweiligen Kritik als „die Metaphysik“ zurückgewiesen wird und dessen, was alles Metaphysik sein kann, erforderlich sein.
Dies lässt sich am Beispiel von zwei völlig verschiedenen philosophischen Richtungen aus der ersten Hälfte des 20. Jh. verdeutlichen. Im Logischen Empirismus des Wiener Kreises wird in den 20er und 30er Jahren eine „wissenschaftliche Weltauffassung“ der Theologie und der Metaphysik gegenübergestellt und eine „antimetaphysische“ Haltung gefordert.15Vgl. Carnap, Rudolf et al., Wissenschaftliche Weltauffassung. Der Wiener Kreis (Veröffentlichungen des Vereins Ernst Mach), Wien 1929, u. a. 9. Hintergrund dafür ist die Annahme, dass nur Sätze, die empirisch verifizierbar sind oder formallogisch aus diesen abgeleitet werden können, sinnvoll sind. Die Metaphysik als über das empirisch Feststellbare hinausgehende Wissenschaft entspricht diesem Sinnkriterium nicht und wird folglich als sinnlos abgelehnt. Der späte Martin Heidegger ![]()
(1889–1976) sieht in der „Differenz“ und der gleichzeitig damit gegebenen Beziehung zwischen dem „Seienden“ im Sinne der existierenden und bezeichenbaren Objekte und dem „Sein“ im Sinne des zugrundeliegenden, aber nicht ohne die Konkretion des „Seienden“ fassbaren Ganzen, die Grundlage der Metaphysik. Über eine geschichtliche Verortung metaphysischer Positionen problematisiert Heidegger Metaphysik als unbemerkte statische Festschreibung von eigentlich in der „Differenz“ Dynamischem.16Vgl. dazu Heidegger, Martin, Die onto-theologische Verfassung der Metaphysik, in: ders., Identität und Differenz, in: GA I.11, Frankfurt a. M. 2006, 51–79, 60–61.71–74.
Zu beachten ist, dass der Logische Empirismus mit dem Sinnkriterium selbst metaphysische Voraussetzungen macht (was später auch von dessen Vertretern bemerkt wurde) und dass der späte Heidegger ![]()
zwar zur Infragestellung jeglicher Metaphysik anleiten möchte, jedoch nicht davon ausgeht, dass Metaphysik sich abschaffen ließe.17Vgl. Salaquarda, Jörg, Art. Metaphysik. III. Ende der Metaphysik?, in: TRE 22 (1992), 653–660, 655.657f. Am Beispiel dieser beiden Positionen zeigt sich, was insgesamt für Metaphysikkritik gelten dürfte: Es handelt sich jeweils um spezifische Verständnisse von Metaphysik beziehungsweise um bestimmte philosophische oder theologische Theorien, die zurückgewiesen werden. Damit ist Metaphysikkritik üblicherweise eine (zum Teil relativ umfassende) Theoriekritik, die sich aber nur schwer auf jegliche vorhandene oder potentielle Form von Metaphysik ausweiten lässt.
5. Metaphysik und Theologie
Aristoteles ![]()
nennt das Vorgehen seiner Metaphysik „Weisheit“ (σοφία),18Aristoteles, Metaphysik, Bd. 1: Bücher I(A)–VI(E). Griechisch–Deutsch (PhB 307), hrsg. v. Horst Seidl, übers. v. Hermann Bonitz, Hamburg 31989, A 1, 982a1–3. „erste Philosophie“ (πρώτη φιλοσοφία)19Aristoteles, Metaphysik, E 1, 1026a24. – und „Theologie“ (θεολογική).20Aristoteles, Metaphysik, E 1, 1026a18f. Er, wie auch schon die Vorsokratiker und Platon ![]()
, beziehen Gedanken über Gott oder das Göttliche ganz selbstverständlich in ihre metaphysischen Überlegungen ein. Insofern ist Metaphysik von Beginn an mit „Theologie“ im Sinne eines Redens über Gott oder das Göttliche verbunden. Zugleich sind „Theologie“ und Metaphysik bei allen bestehenden Übergängen durchaus von der später aufkommenden christlichen Theologie zu unterscheiden – was sich auch daran zeigt, dass in der philosophischen Auseinandersetzung mit dem Christentum metaphysische Theorien zum Teil bewusst ohne einen Gottesbezug entwickelt wurden.21Vgl. Enskat, Metaphysik, 1173. Die Rede von Gott – im modernen Sinne: als Bestandteil der Religionsphilosophie – liegt somit in der Metaphysik zwar nahe, ist aber kein notwendiger Bestandteil, ohne den es sich nicht um Metaphysik handelte.
In der Auseinandersetzung mit der Philosophie hat sich die antike christliche Theologie auch auf die Metaphysik bezogen und diese durch die Verbindung mit dem christlichen Glauben, dem christlichen Gottesbild sowie den biblischen Schriften und durch die Unterordnung gegenüber diesen neu geprägt.22Vgl. Kobusch, Metaphysik, 1198–1200. Besonders einflussreich ist die theologische Weiterentwicklung der Metaphysik in der Scholastik, insbesondere bei Thomas von Aquin ![]()
(ca. 1224–1274). Insofern lässt sich Metaphysik traditionell eindeutig als Bestandteil der Theologie – bzw. in der späteren Disziplinenaufteilung: der Systematischen Theologie – einordnen.
6. Schwache Metaphysik in der aktuellen Systematischen Theologie
Die aktuelle deutschsprachige Systematische Theologie, die vielfach von der unter anderem durch Heidegger ![]()
beeinflussten Tradition der Hermeneutik geprägt ist, schließt – wie schon ein Großteil der Systematischen Theologie des 20. Jh. – üblicherweise implizit an Metaphysikkritiken an. Explizit wird der Metaphysikbegriff vermieden und höchstens zur Abgrenzung verwendet.23Wobei diesbezüglich schon seit längerem Aufweichungen festzustellen sind. Vgl. z. B. die Beiträge in: Deuser, Hermann (Hrsg.), Metaphysik und Religion. Die Wiederentdeckung eines Zusammenhanges (VWGTh 30), Gütersloh 2007. Vergleichbares dürfte auch für andere als deutschsprachig-theologische und evangelische Kontexte gelten, wobei die theoretischen Hintergründe und die Rolle, die der Metaphysikbegriff theoriegeschichtlich einnimmt, sich unterscheiden können.
Zugleich wäre zu diskutieren, ob nicht in vielen Systematischen Theologien Formen von schwacher Metaphysik vorkommen.24Eine ausführliche Argumentation für die Unvermeidbarkeit von Metaphysik in der Theologie bietet: Tetens, Holm, Der Gott der Philosophen darf nicht sterben. Über die Unvermeidlichkeit von Metaphysik für den religiösen Gottesglauben, in: Göcke, Benedikt Paul/Pelz, Christian (Hrsg.), Die Wissenschaftlichkeit der Theologie. Bd. 3: Theologie und Metaphysik, Münster 2019, 235–245. Beispielhaft wären hier die folgenden Themen zu nennen, bei deren Bearbeitung häufig auch metaphysische Überlegungen zum Tragen kommen: die Offenbarung in der Fundamentaltheologie, dogmatisch die Trinität in der Gotteslehre und das Verständnis des Todes in der Eschatologie, die Struktur des Verstehens in der Hermeneutik, die Natur des Menschen in der Anthropologie, das Konzept von Verantwortung in der Ethik und die Bedeutung von Gesundheit in der angewandten Ethik.
7. Starke Metaphysik in der aktuellen Systematischen Theologie
Während schwache Metaphysik nur selten als solche benannt wird und sich zugleich an vielen Stellen systematisch-theologischer Theoriebildung finden lässt, wird starke Metaphysik explizit als solche benannt und ist nur bestimmten theologischen Positionen zuzuordnen. Diese haben im deutschsprachigen Raum üblicherweise eine religionsphilosophische Orientierung mit einem philosophie- und theologiegeschichtlichen Schwerpunkt auf dem Rationalismus der Neuzeit oder der Klassischen Deutschen Philosophie. Sie bauen auf einer sehr genauen Kenntnis der Metaphysikkritik auf, gehen aber davon aus, dass über das Nachdenken, die Logik, die Spekulation wichtige Aspekte der Realität aufgedeckt werden können.25Ein Überblick über einige aktuelle Themen philosophischer und theologischer starker Metaphysik lässt sich anhand der Schriftenreihe Collegium Metaphysicum gewinnen: https://www.mohrsiebeck.com/schriftenreihe/collegium-metaphysicum-cm/, abgerufen am 13.05.2026.
Die wohl markanteste aktuelle evangelische Position mit einer eindeutigen Affirmation des Metaphysikbegriffs vertritt Friedrich Hermanni (*1958). Zum Beispiel behandelt er in der Aufsatzsammlung Metaphysik. Versuche über letzte Fragen (2011) die Themenkreise der Gottesbeweise, der menschlichen Freiheit, der Theodizee, der menschlichen Person als Einheit, auch über den Tod hinaus, und der Wahrheitsansprüche der Religionen.26Vgl. Hermanni, Friedrich, Metaphysik. Versuche über letzte Fragen (Collegium Metaphysicum 1), Tübingen 22017. Des Weiteren gibt es Ansätze, die geprägt durch den Deutschen Idealismus (auch) mit Theorien des Absoluten zur Beschreibung von Welt und Gott arbeiten.27Vgl. z. B. Pannenberg, Wolfhart, Metaphysik und Gottesgedanke (KVR 1532), Göttingen 1988. In der deutschsprachigen katholischen Theologie sind vergleichbare Ansätze vorhanden, wobei dort etwas öfter gezielt stark-metaphysische Ansätze im Sinne von Aristoteles’ ![]()
erster Philosophie oder auch in Verbindung mit analytischen Herangehensweisen (s. u.) verfolgt werden.28Vgl. Göcke, Benedikt Paul/Pelz, Christian, Brennpunkt Metaphysik. Eine systematische Einführung in und ein historischer Überblick über das ambivalente Verhältnis von Theologie und Metaphysik, in: dies. (Hrsg.), Die Wissenschaftlichkeit der Theologie. Bd. 3: Theologie und Metaphysik, Münster 2019, VII–XXXIX.
Über den deutschsprachigen Raum hinausgehend ist die in Nordamerika entstandene Prozesstheologie zu erwähnen, die Gott und Welt als in eine prozessuale Entwicklung und als aufeinander bezogen ansieht.29Vgl. Huxel, Kirsten, Art. Prozeßtheologie. II. Dogmatisch, in: RGG 6 (2003), 1757f. In der durch die Analytische Philosophie geprägten, vornehmlich englischsprachigen Analytischen Theologie und Analytischen Religionsphilosophie nehmen stark-metaphysische Herangehensweisen bei der Bearbeitung aller religionsphilosophischen, fundamentaltheologischen, dogmatischen und ethischen Themen zunehmend eine größere Bedeutung ein.30Vgl. z. B. die Themen und Herangehensweisen in: Arcadi, James M./Turner, James T. Jr. (Hrsg.), The T&T Clark Handbook of Analytic Theology, London 2021.
