Soldat*in

Soldat*innen sind Angehörige der Streitkräfte, die im Auftrag des Staates militärische Gewalt androhen oder einsetzen. Ihr Berufsbild hat sich im Laufe der Geschichte stark verändert. Die Bundeswehr versteht Soldat*innen heute als „Staatsbürger*innen in Uniform“, die an das Grundgesetz, die Menschenwürde sowie die demokratische Kontrolle gebunden sind. Das Leitbild der Inneren Führung betont verantwortungsbewusstes Handeln, Gewissen, demokratische Werte und Frieden als Grundlage des soldatischen Dienstes. Aus evangelischer Sicht kann Militärdienst unter bestimmten Bedingungen dem Gerechten Frieden dienen. Der Einsatz militärischer Gewalt bringt dabei ethische Konflikte und die Gefahr des Schuldigwerdens mit sich.

Inhaltsverzeichnis

    1. Begriff

    Soldat*innen sind Angehörige von regulären Streitkräften eines Landes. Zu ihren Aufgaben gehört, im staatlichen Auftrag militärische Gewalt anzudrohen und notfalls auszuüben.

    Der Begriff „Soldat“ leitet sich von Sold her, der seit dem Mittelalter den Lohn des Berufskriegers bezeichnet.1Zu Sold vgl. lat. solidus (dicht und insbesondere Goldmünze). Seit dem 17. Jahrhundert ersetzt er zunehmend die bisher gebrauchten Begriffe (Ritter, Landsknechte, Kriegsleute, Kriegsgurgel).2Vgl. Rogg, Matthias: Landsknechte und Reisläufer. Bilder vom Soldaten, Paderborn 2002.

    2. Berufsbild

    2.1 Berufsbild im Wandel

    Das Berufsbild des*der Soldat*in hat sich im Laufe der Zeit gewandelt und differiert in der Beurteilung der Zeitgenoss*innen. Folgende Faktoren sind dabei beeinflussend: die prinzipielle Einstellung zu militärischer Gewalt, die Form der Kriegsführung, die Regierungsform, unter denen die Streitkräfte ihren Dienst tun, und das Verhältnis der Soldat*innen zum eigenen beruflichen Handeln und zum Auftraggeber. Sind im 17. und 18. Jahrhundert unter absolutistischer Herrschaft der Zwang zum Dienst und im Dienst bestimmende Momente, so sind es im 19. Jahrhundert Pflicht und Ehre als überhöhte Rechtsfiguren in einer militarisierten Gesellschaft. In der Zeit der Wehrmacht unter Adolf Hitler  oes-gnd-icon waiting... war der „unbedingte Gehorsam“ des Soldaten prägend für das Berufsbild.3Das wird besonders deutlich an der Wandlung des Fahneneids im Laufe der Geschichte: Vgl. hierzu grundlegend Lange, Sven: Der Fahneneid. Die Geschichte der Schwurverpflichtung im deutschen Militär, Bremen 2002.

    2.2 Die Traditionsquellen des Berufsbildes des*der Soldat*in der Bundeswehr

    Das Selbstverständnis der Soldat*innen in der Bundeswehr berief sich lange Zeit auf drei Traditionslinien der deutschen Militärgeschichte: In der preußischen Heeresreform (1807–1813) wird die Unterscheidung zwischen Soldaten und Staatsbürgern aufgehoben. Der Soldat ist ein Staatsbürger, dessen Aufgabe auch die Verteidigung des Vaterlands ist. Er dient nicht unter Ausübung von Zwang, sondern aus Überzeugung (vernünftiger Gehorsam). Im militärischen Widerstand gegen Hitler  oes-gnd-icon waiting... und das NS-Regime stellen Soldaten ihr Gewissen über den Gehorsam. Gehorsam beinhaltet auch die Pflicht zum Widerstand gegen Unrecht. Schließlich versteht die Bundeswehr ihre eigene Geschichte als Streitkräfte in der Demokratie als wegweisend für das Selbstverständnis des*der Soldat*in. Nach den derzeitigen Traditionsrichtlinien von 2018 wird das Traditionsverständnis der Bundeswehr stark an die Konzeption der Inneren Führung (s. 2.4) gebunden und auf die Geschichte der Bundeswehr fokussiert.4Vgl. Die Tradition der Bundeswehr. Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege, https://www.bmvg.de/resource/blob/23234/6a93123be919584d48e16c45a5d52c10/20180328-die-tradition-der-bundeswehr-data.pdf (PDF), abgerufen am 21.07.2026; vgl. auch Ackermann, Dirck: Wie viel Kritik, wie viel Solidarität? Über die Evangelische Militärseelsorge. In: Zur Sache Bw 20, Leipzig 2011, 30–35.

    2.3 Soldat*innen der Bundeswehr

    Die Aufstellung der Bundeswehr 1955 bedeutete einen konzeptionellen Neuansatz. Bundeswehr und Streitkräfte werden als Teil der Exekutive in der Demokratie verstanden und rechtlich eingebettet. Ihr Einsatz ist an das Grundgesetz gebunden, unterliegt der politischen Führung und der parlamentarischen Kontrolle (Primat der Politik). Maßgeblich für den Auftrag der Bundeswehr ist Art 1 GG: Die Achtung der Menschenwürde sind Grund und Ziel allen soldatischen Handelns. Auch die innere Ordnung der Bundeswehr orientiert sich an den Grundsätzen des Grundgesetzes. Soldat*innen haben die gleichen Rechte wie jeder andere Staatsbürger. Einschränkungen sind nur zulässig, wenn sie durch Pflichten der Soldat*innen gesetzlich begründet werden. Dies wird im Gesetz über die Rechtstellung des Soldaten von 1956 festgeschrieben.5Gesetz über die Rechtstellung des Soldaten, https://www.gesetze-im-internet.de/sg/BJNR001140956.html, abgerufen am 21.07.2026.

    2.4 Innere Führung

    Grundgelegt wird das Berufsbild der Soldat*innen der Bundeswehr in der Konzeption der Inneren Führung mit seinem Leitbild des*der Staatsbürger*in in Uniform. „Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr erfüllen ihren Auftrag, wenn sie aus innerer Überzeugung für Menschenwürde, Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität und Demokratie als den leitenden Werten unseres Staates aktiv eintreten.“6A2600/1 Zentrale Dienstvorschrift Innere Führung, Ziffer 106, https://www.bmvg.de/resource/blob/14258/a0e22992bc053f873e402c8aaf2efa88/b-01-02-02-download-data.pdf (PDF), abgerufen am 21.07.2026. Innere Führung will gewährleisten, dass die Bundeswehr Teil der freiheitlich demokratischen Gesellschaft bleibt.7A2600/1 Zentrale Dienstvorschrift Innere Führung, Ziffer 101, https://www.bmvg.de/resource/blob/14258/a0e22992bc053f873e402c8aaf2efa88/b-01-02-02-download-data.pdf (PDF), abgerufen am 21.07.2026. Nach Wolf Graf Baudissin, entscheidender Impulsgeber der Inneren Führung, sind folgende Momente als leitend für das Berufsbild des Soldaten: das gewissensgeleitete Individuum, der verantwortliche Gehorsam und die konflikt- und friedensfähige Mitmenschlichkeit.8Vgl. Dörfler-Dierken, Angelika: Ethische Fundamente der Inneren Führung, Baudissins Leitgedanken: Gewissensgeleitetes Individuum – Verantwortlicher Gehorsam – Konflikt- und friedensfähige Mitmenschlichkeit, Strausberg 2005. Die veränderte sicherheitspolitische Lage hat zu einer Veränderung der Bundeswehr und der Aufgaben der Soldat*innen geführt. Die Bundeswehr befindet sich im Wandel von einer Einsatzarmee ohne allgemeine Wehrpflicht hin zu Streitkräften mit Wehrpflichtigen, die sich wieder auf die Landes- und Bündnisverteidigung konzentrieren. Soldat*innen bereiten sich neben Einsätzen zum internationalen Konfliktmanagement auf die militärische Verteidigung des Landes und des Bündnisses vor. Er kann mit militärischen Szenarien konfrontiert werden, die durch ein hohes Maß an militärischer Gewalt, Automatisierung militärische Gewalt, hybrider Kriegführung und Kriegführung im Cyber- und Informationsraum geprägt sind. Die Nichtachtung von Normen und Regeln stellen dabei eine besondere Hausforderung dar.9Vgl. Bundesministerium der Verteidigung: Verteidigungspolitische Richtlinien 2023, Berlin 2023, https://www.bmvg.de/resource/blob/5701724/5ba8d8c460d931164c7b00f49994d41d/verteidigungspolitische-richtlinien-2023-data.pdf (PDF), abgerufen am 21.07.2026. Es sind Tendenzen wahrzunehmen, auf diesem Hintergrund ein Berufsbild des*der Soldat*in jenseits der Konzeption der Inneren Führung zu suchen und das Soldatische aus dem allgemein Gesellschaftlichen herauszunehmen und unter ein Sonderethos (Kriegerethos) zu stellen. Demgegenüber wird seitens der Führung der Bundeswehr mit Unterstützung der christlichen Kirchen betont, dass die geistig-moralischen Grundlagen der Gesellschaft leitend für das soldatische Handeln bleiben.10Vgl. z. B den Dialog zwischen Uwe Hartmann und Sönke Neitzel: Hartmann, Uwe/Neitzel, Sönke: Krieger-Ethos. Gefahr für die Innere Führung?. In: Innere Führung 1 (2022), 28–35, https://www.bundeswehr.de/resource/blob/5316584/8ada0f0e8b01f8dff6d6501bcd82413b/if-zeitschrift-fuer-innere-fuehrung-01-2022-data.pdf (PDF), abgerufen am 21.07.2026.

    3. Soldat*innen in evangelischer Perspektive

    In der Evangelische Kirche in Deutschland ist das Leitbild vom Gerechten Frieden grundlegend im friedensethischen Nachdenken. Die Bereitschaft zum Gewaltverzicht wird als ein Kennzeichen für das christliche Ethos betrachtet. In einer noch nicht erlösten Welt kann aber der Dienst am Nächsten es nötig machen, den Schutz von Recht und Leben durch den Gebrauch von Gegengewalt zu gewährleisten. Beide Wege, Waffenverzicht wie Militärdienst, können aus Sicht christlicher Friedensethik komplementäre Formen der Befolgung des Gebotes der Nächstenliebe sein. Auftrag der Soldat*innen kann es nur sein, im System einer internationalen Friedensordnung Menschen in bestimmten Situationen vor Gewalt, Not und Unfreiheit zu schützen. Insofern können Soldat*innen dem gerechten Frieden dienen. Doch selbst bei bester Güterabwägung schließt der Einsatz militärischer Gewalt die Gefahr des Schuldigwerdens mit ein. In dieser Gefahr stehen die Soldat*innen wie die politisch Verantwortlichen.11Vgl. EKD: Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick. Eine Denkschrift, Leipzig 2025, insbes. Ziffern 48ff., 173ff.

    Weiterführende Literatur

    Ackermann, Dirck u. a.: Maß des Möglichen. Perspektiven Evangelischer Friedensethik angesichts des Krieges in der Ukraine. Ein Debattenbeitrag, Berlin 2023.

    Dörfler-Dierken, Angelika: Graf von Baudissin. Als Mensch hinter den Waffen, Berlin 2006.

    Dörfler-Dierken, Angelika/Rogg, Matthias (Hg.): Martin Luther. Ob Kriegsleute auch in seligem Stande sein können, Berlin 2014.

    Evangelische Kirche in Deutschland: Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick. Evangelische Friedensethik angesichts neuer Herausforderungen. Eine Denkschrift, Leipzig 2025.

    Evangelisches Kirchenamt für die Bundeswehr: Soldatinnen und Soldaten in christlicher Perspektive, Berlin 2014.

    Hartmann, Uwe: Innere Führung. Erfolge und Defizite der Führungsphilosophie für die Bundeswehr, Berlin 2007.

    Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hg.): Handbuch zur deutschen Militärgeschichte 1648–1939, 6 Bände,1967–1981.

    Einzelnachweise

    Zitierweise

    Ackermann, Dirck: „Soldat*in“, Version 1.0, in: Onlinelexikon Systematische Theologie, ISSN 3052-685X, 29.10.2026. DOI: https://doi.org/10.15496/publikation-124687

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