Verantwortung

Nachweise in SysLex

Anthropozän(Autor*in )
Veröffentlicht1. Mai 2025
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Der Anfang der 2000er-Jahre geprägte Begriff des Anthropozäns entstammt ursprünglich den Naturwissenschaften. Er steht für eine wesentlich vom Menschen bestimmte geochronologische Epoche, die das Holozän abgelöst hat und in der der Mensch selbst zu einer Naturgewalt geworden ist. Der Begriff ist jedoch nicht allein auf naturwissenschaftliche und technologische Phänomene beschränkt, sondern erhält aufgrund der implizierten Mensch-Natur-Verstrickung auch eine ethische Bedeutung, die sich vor allem in Fragestellungen nach der Verantwortung des Menschen für die Natur manifestiert. Trotz verschiedener Kritiken an seiner deskriptiven und normativen Adäquatheit, und trotz seiner Ablehnung durch die International Commission on Stratigraphy im Jahr 2024, erweist sich der Begriff gerade mit Blick auf theologische, naturethische, naturästhetische und kulturphilosophische Fragestellungen als interdisziplinär anschlussfähig.

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SachschlagwortKlimakrise, Kultur, Mensch, Mitwelt, Natur, Naturethik, Technologie, Umweltethik, Verantwortung
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Berufung(Autor*in )
Veröffentlicht19. März 2026
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Die Rede von Berufung gehört zum festen Bestandteil christlicher Existenz und kirchlichen Lebens. Mit dem Wort Berufung werden personale Glaubenserfahrungen, kirchliche Anerkennungsprozesse und die Gestaltung individueller Lebenswege beschrieben. Der Begriff wird in einem weiten Sinn verwendet, um das Wirken Gottes, das allen Menschen gilt und in der Geschichte konkret wird, zu explizieren. Im engeren Sinn wird er auf besondere Formen christlichen Lebens, auf Profession und Dienstämter angewendet. Im Kontext soziologischer und spiritueller Individualisierung des Christentums und der Pluralisierung christlicher Gemeinschaften und Lebensformen ist der Berufungsbegriff attraktiv und perspektivenreich, aber auch erklärungsbedürftig und kritikwürdig.

SachschlagwortAmt, Arbeit, Aufgabe, Beruf, Berufung, Ekklesiologie, Gemeinschaft, Gewissheit, Gott, Identität, Macht, Offenbarung, Relation, Subjekt, Verantwortung
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Ehe(Autor*in )
Veröffentlicht13. Februar 2026
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Die Ehe gilt seit biblischen Zeiten als grundlegende Form menschlicher Gemeinschaft und erfährt im Verlauf der Geschichte tiefgreifende Wandlungen. Mit der Reformation wird sie von Martin Luther als weltlicher Stand göttlicher Ordnung verstanden und als Rahmen für Gemeinschaft, Verantwortung und Sittlichkeit bestimmt. In der Neuzeit entwickelt sie sich zu einer partnerschaftlichen Lebensform, die auf Liebe, Gleichberechtigung und individueller Entscheidung gründet. Aktuelle theologische und gesellschaftliche Debatten thematisieren Fragen nach Freiheit, Fairness und Geschlechterrollen, wodurch die Ehe als Spiegel fortwährender Aushandlungsprozesse über das gute Leben in Gemeinschaft erscheint.

SachschlagwortAbhängigkeit, Beziehung, EKD, Ehe, Eltern, Emotion, Ethik, Familie, Feminismus, Frau, Freiheit, Gemeinschaft, Gender, Geschlechtlichkeit, Kinder, Martin Luther, Nächstenliebe, Ordnungstheologie, Partnerschaft, Verantwortung
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Familie(Autor*in )
Veröffentlicht1. Mai 2025
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Familie ist für die meisten Menschen ihre wichtigste Lebenswirklichkeit. Formen und Funktionen sind sehr variabel. Im Kern geht es um die alltägliche, generationenübergreifende Sorge für sich und andere. Deshalb ist es sinnvoll, von vielfältigen Praxen des Zusammenlebens zu sprechen und theologisch-ethisch nach dem Humanen, dem Menschsein-Können, zu fragen. Biblisch-theologisch werden Menschen als Geschöpfe und Bundesgenoss_innen des Gottes Israels und als Teilhaber der auf Hoffnung ausgerichteten Menschheit gedacht. In der Schrift sind Offenheit und Weite, aber auch das Ringen um Recht und Gerechtigkeit der Benachteiligten dokumentiert. Die Menschenrechte sind Grundnorm für die politisch-ethische Bemühung um Familien in der heutigen Gesellschaft.

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SachschlagwortCare, Ehe, Eltern, Jugendliche, Kinder, Schöpfung, Verantwortung
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Gerechtigkeit (ethisch)(Autor*in )
Veröffentlicht31. Oktober 2025
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Gerechtigkeit ist ein zentraler und hochgradig umstrittener ethischer Begriff. Gerechtigkeitsforderungen sind oft durch das Gefühl empfundener Ungerechtigkeit motiviert. Formal lässt sich Gerechtigkeit als die gerechtfertigte und gleichmäßige Berücksichtigung des jeweils Angemessenen definieren. Die heute als Minimalstandards etablierten Kriterien – etwa das Gleichheitsgebot oder faire Verfahren – lassen sich bis in die griechische Antike (Aristoteles oes-gnd-iconwaiting...) und ihre Ausarbeitung in der Scholastik (Thomas von Aquin oes-gnd-iconwaiting...) zurückverfolgen. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ranken sich viele Gerechtigkeitsdebatten um das Konzept der sozialen Gerechtigkeit, verstanden als Ausgleich zwischen Freiheit und Gleichheit. Im Ringen um ihr Verständnis spielen nicht nur materiale Gesichtspunkte (von Rawls oes-gnd-iconwaiting... bis zum Capabilities Approach entfaltet), sondern zunehmend auch prozedurale Gesichtspunkte – im Anschluss an postkoloniale und intersektionale Diskurse gefragt: „Wer darf mitreden?“ – eine zentrale Rolle. In beiden Debattensträngen kann sich die bibeltheologische Tradition des Verständnisses von Gerechtigkeit als Gemeinschaftstreue transpartikularisierend einbringen.

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SachschlagwortEthik, Fundamentalethik, Gesellschaft, Menschenwürde, Pluralismus, Sozialethik, Staat, Teilhabe, Verantwortung, Vulnerabilität, Wirtschaft, Zwei-Reiche-Lehre, epistemische Gewalt
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Kirche und Politik(Autor*in )
Veröffentlicht25. November 2025
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Das Thema „Kirche und Politik“ ist immer aktuell. In der Gegenwart verweisen beide Sphären aufeinander, während sie in der Vergangenheit oftmals ineinander verschlungen waren. Die römisch-katholische Kirche hat lange Zeit die Suprematie der geistlichen über die weltliche Gewalt beansprucht. Die Reformation setzte auf Unterscheidung und Trennung der beiden. Gegenwärtig engagieren sich in Deutschland die christlichen Kirchen, die muslimischen Verbände und der Zentralrat der Juden für die Stärkung der liberalen Demokratie. Aber es gibt auch religiöse Akteure, die autoritäre politische Systeme unterstützen. Dieser Beitrag fokussiert wegen der national sehr unterschiedlichen Traditionen und verfassungsrechtlichen Ausgangslagen die Situation in Deutschland.

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SachschlagwortChristentum, Demokratie, Freiheit, Gesellschaft, Institution, Kirche, Kirchenkampf, Macht, Politik, Politische Theologie, Staat, Verantwortung, Zivilgesellschaft, Öffentliche Theologie, Öffentlicher Protestantismus, Öffentlichkeit
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Leib/ Körper(Autor*in )
Veröffentlicht1. Mai 2025
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Leiblichkeit bzw. Körperlichkeit ist zentraler Bezugspunkt einer Vielzahl von Zugängen und Perspektiven und zugleich von hoher Bedeutung für die theologische Anthropologie und Ethik, darüber hinaus etwa auch für die Christologie und die Gotteslehre. Gegenüber Formen einer Leibvergessenheit zielt die Wiedergewinnung der Leiblichkeit in der Theologie darauf, diese phänomenologisch als unhintergehbares Medium des menschlichen Zugangs zur Welt, schöpfungstheologisch als Gabe und Aufgabe ernst zu nehmen. Christologie und Erlösungslehre (vgl. Art. Soteriologie) halten fest, dass die Selbstzentriertheit auf den eigenen menschlichen Körper gegebenenfalls entmachtet werden muss, um zu einem befreiten Verhältnis zum Körper zu gelangen. Der Entlastungs- und Freiheitsgewinn lässt sich ethisch explizieren. Beispiele hierfür böten der Umgang mit Begrenzungen der körperlichen Modellierbarkeit oder mit dem Ressourcenverlust im Alter. Eine Bejahung des Gegebenen kann in diesen Fällen auch gesundheitlich protektiv sein.

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SachschlagwortAnthropologie, Gabe, Körper, Leib-Seele-Problem, Leib, Leibphänomenologie, Verantwortung
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Nachfolge(Autor*in )
Veröffentlicht26. Juni 2025
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Nachfolge (imitatio Christi) bleibt in der evangelischen Theologie ein sperriger Begriff, der in aktuellen Debatten oft vermieden wird. In diesem Artikel wird Nachfolge hingegen als christliches Empowermentkonzept insbesondere im Horizont religiöser Erfahrungen, theologischer Sprachfähigkeit und gelebter Theologie diskutiert. So kann Nachfolge als Schlüsselkonzept einer von Ernst Lange oes-gnd-iconwaiting... geforderten, befreiungstheologisch inspirierten Bildung als „Sprachschule für die Freiheit“[i] verstanden werden.

[i] Lange, Ernst, Sprachschule für die Freiheit. Bildung als Problem und Funktion der Kirche, in: Schloz, Rüdiger/Butenuth, Alfred (Hrsg.), Kirche für die Welt. Aufsätze zur Theorie kirchlichen Handelns, München/Gelnhausen 1992.

SachschlagwortAmt, Berufung, Christentum, Erfahrung, Freiheit, Gemeinschaft, Glauben, Gnade, Jesus Christus, Kirche, Verantwortung
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Teufel(Autor*in )
Veröffentlicht23. September 2025
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Die Figur des Teufels symbolisiert wie kaum eine andere Instanz Phänomene des Bösen in Religionen und Literatur, obwohl sowohl biblische als auch theologische Gründe gegen die Existenz des Teufels sprechen. Systematisch-theologisch attraktiv ist auf den ersten Blick die Entlastung endlicher und göttlicher Freiheit durch die Teufelsgestalt. Bei genauerem Hinsehen wird die Frage nach dem Ursprung des Bösen durch den Teufel aber nicht beantwortet, da diese Figur als endliches Wesen und Geschöpf gedacht werden muss und daher nicht an die Stelle der Freiheit des Menschen und Gottes treten kann. Die Figur des Teufels kommt im Christentum und in den Religionen allerdings stets um den Preis der Angst, da Freiheit, wie im Fall von Besessenheit, völlig korrumpierbar erscheint. Diese Art des Zugriffs von Teufeln und Dämonen auf andere endliche Freiheit kann theologisch jedoch nicht gedacht werden. Der Artikel diskutiert zudem, inwiefern die Figur des Teufels dem Bösen als Exzessivem oder Unverstandenem in der Welt Ausdruck verleiht und sogar ethische Potentiale hat. Wenn für das Böse nämlich ein Teufel als Genie der Versuchung verantwortlich ist und Personen im Ausagieren des Bösen nur nachgeben, liegt darin ein Schutz der Person vor absoluter Verurteilung. Allerdings hängt offensichtlich der moralische Schutz von Personen auch in den Religionen erneut nicht an der Annahme der Existenz eines Teufels. Insgesamt zeigt der Artikel die systematisch-theologische Tendenz zur Begrenzung von Teufelsvorstellungen mit interdisziplinärem Anklang.

SachschlagwortBöses, Dämon, Freiheit, Gott, Sünde, Verantwortung, Vergebung
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Theologische Ethik(Autor*innen )
Veröffentlicht5. März 2026
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Theologische Ethik beschäftigt sich mit der Reflexion von Moral und Ethos vor dem Hintergrund des christlichen Glaubens. Sie analysiert entsprechend Handlungsorientierungen und Diskurse über das gute Leben und Lebensführung. Dabei nimmt sie sowohl normative Vorstellungen von Individuen als auch die Strukturen, in die Individuen eingebunden sind, in den Blick. Die wissenschaftliche Ethik befasst sich dabei mit aktuellen Themen in verschiedenen anwendungsorientierten Bereichsethiken, wie Medizinethik, politische Ethik und Umweltethik. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit metaethischen Fragestellungen.

Es existiert eine Vielzahl verschiedener protestantischer ethischer Ansätze, die sich jeweils unterschiedlich zu bestehenden Spannungsfeldern verhalten. Dazu zählen beispielsweise die Frage nach dem Verhältnis von evangelischer Tradition und gegenwärtigen Herausforderungen, die Balance zwischen deskriptiven Aufgaben und normativer Orientierung sowie die Reflexion über das Verhältnis von theologischer und philosophischer Ethik.

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SachschlagwortAutonomie, Ethik, Freiheit, Fundamentalethik, Fähigkeit, Gebot, Gerechtigkeit, Gesetz, Gesinnungsethik, Handlung, Individuum, Normative Ethik, Normen, Nächstenliebe, Person, Prinzipienethik, Recht, Rechte, Sozialethik, Systematische Theologie, Theologie, Utilitarismus, Verantwortung, Verantwortungsethik, Vernunft, Wissenschaft
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Verantwortung(Autor*in )
Verwandte Artikel
Veröffentlicht7. Oktober 2025
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Verantwortung ist ein zentraler Begriff (evangelischer) Ethik, der retrospektiv Schuld- und prospektiv Zuständigkeitsfragen klären soll. Verantwortung bezieht sich dabei besonders auf Handlungen angesichts von Sollenskonflikten und -unsicherheiten. Theologisch wird Verantwortung oft als Antwort auf das Christusgeschehen verstanden.

SachschlagwortAlltag, Aufgabe, Folgen, Macht, Politik, Rechtfertigung, Relativität, Responsivität, Reziprozität, Sozialethik, Technik, Verantwortung, Verantwortungsethik, Widerstand, Zukunft
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