Demokratiebildung

Der Beitrag untersucht Demokratiebildung als zentrale Aufgabe politischer wie auch evangelischer Bildungsarbeit. Ausgangspunkt ist ein umfassendes Verständnis, das über rein kognitive Wissensvermittlung hinaus auf Konfliktfähigkeit, Partizipation und gesellschaftliche Mitgestaltung zielt. Angesichts wachsender gesellschaftlicher Komplexität und Pluralisierung sowie autoritärer und populistischer Tendenzen wird herausgearbeitet, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist, sondern durch Bildung vermittelt, praktisch erfahren und gemeinsam gestaltet werden muss. Unter Rückgriff auf John Deweys Konzept der Demokratie als Lebensform wird die Bedeutung partizipativer, erfahrungsbezogener und kooperativer Lernprozesse hervorgehoben.

Inhaltsverzeichnis

    1. Basisinformation

    Der Begriff Demokratiebildung steht gemeinsam mit weiteren z. T. synonym verwendeten Begriffen wie Demokratieförderung, -pädagogik, -erziehung, -didaktik, -lernen, -entwicklung für einen Bereich der politischen Bildung. Diese umfasst sowohl die Kinder– und Jugend- als auch die Erwachsenenbildung und fügt sich somit in den Prozess des lebenslangen Lernens ein. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Wissen über politische Prozesse, Institutionen und Organisationen; vielmehr geht es um die Förderung von Partizipation und grundlegender Kompetenzen wie Kritik- und Konfliktfähigkeit: „Demokratiebildung zielt darauf ab, Menschen zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern einer freien, weltoffenen und toleranten Gesellschaft zu machen […], die ihre Gesellschaft aktiv und verantwortungsvoll mitgestalten.“1Grasser, Patrick: Demokratiebildung als evangelische Bildungsaufgabe. Eine Einführung in den Sammelband. In: Ders. (Hg.): Demokratiebildung, Bildungswelten 1, München 2024, 11–17, 12.

    2. Gesellschaftspolitische Einordnung

    Demokratie ist zentraler Bestandteil unserer modernen Gesellschaft und eng verbunden mit Werten wie Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Damit hat sie zugleich eine relationale Dimension, die der ethischen Reflexion bedarf und die Grenzen der eigenen Haltung im Verhältnis zum Gegenüber bestimmt: „Wer Freiheit als grundlegenden demokratischen Wert begreift, kann niemals nur seine eigene Freiheit denken und sie nur für sich haben wollen. Die Bereitschaft, auch die Freiheit der Andersdenkenden, der Andersglaubenden, der Andersaussehenden, der Anderslebenden – und zwar nach Maßgabe der Gleichberechtigung – zu akzeptieren und dafür einzutreten, bildet den Testfall des demokratischen Freiheitsbewusstseins.“2Bielefeldt, Heiner: Die unterschätzte Stärke der Demokratie. In: Grasser, Patrick (Hg.), Demokratiebildung. Bildungswelten 1, München 2024, 37–50, 41.

    Während mit der Etablierung des im Grundgesetz verankerten Artikels 1 Absatz 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ jahrzehntelang breiter gesellschaftlicher Konsens zu sein schien, gerät die Demokratie aktuell verstärkt unter Plausibilitätsdruck. Sie erscheint angesichts wachsender Komplexität und Pluralisierung nicht mehr selbstverständlich und ist vermehrt sogar Anfeindungen durch autoritäre Bestrebungen und populistische Bewegungen ausgesetzt. Diese definieren nicht zuletzt zentrale Grundwerte nach ihren eigenen Prinzipien um und gewinnen insbesondere Zuspruch von Personen, die sich selbst oder andere als ungleich behandelt, sozial benachteiligt oder in ihrem Freiheitsdenken und weiteren Persönlichkeitsrechten eingeschränkt fühlen.3Vgl. Amlinger, Carolin/Nachtwey, Oliver: Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus, Berlin 2023; Vgl. Amlinger, Carolin/Nachtwey, Oliver: Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus. Was wollen Donald Trump, Elon Musk und ihre Anhänger:innen? Berlin 2025. Insofern bedarf es einer Demokratiebildung, um über Demokratie aufzuklären, Demokratie erfahrbar zu machen und die damit verbundenen Errungenschaften nicht angesichts aktueller Frusterfahrungen langfristig aufzugeben.

    3. Demokratie als Lebensform – John Dewey

    Demokratie ist nicht nur als Regierungsform, sondern vielmehr als umfassende Lebensform zu verstehen. Diesen Gedanken vertritt u. a. der amerikanische Philosoph und Pädagoge John Dewey  oes-gnd-icon waiting... in seinem aus dem Jahr 1916 stammenden Werk „Demokratie und Erziehung“: „Die Demokratie ist mehr als eine Regierungsform; sie ist in erster Linie eine Form des Zusammenlebens, der gemeinsamen und miteinander geteilten Erfahrung.“4Dewey, John: Demokratie und Erziehung. Einleitung in die philosophische Pädagogik, 3. Auflage, Braunschweig 1964, 121. Der hierin implizierte Handlungs-, Erfahrungs- und Gemeinschaftsbezug ist Ausdruck des von ihm vertretenen philosophischen Pragmatismus. In ihm verbinden sich individuelle und kollektive Interessen; im Fokus stehen das Zusammenleben und Zusammenwirken von Menschen im Dienst der Gemeinschaft. Dabei zielt Dewey darauf ab, dass eine Theorie nicht abstrakt bleiben darf, sondern konkrete Rahmenbedingungen und Konsequenzen berücksichtigen muss: Insofern ist Demokratiebildung im Sinne Deweys nicht nur eine politische Handlungsstrategie, die als kooperativer Lernprozess angelegt ist und konkrete Probleme reflektieren sowie lösen soll.5Vgl. Kehrbaum, Tom: John Dewey. Demokratie und Bildung als Lebensform. In: Denk-doch-Mal.de, 2020, https://denk-doch-mal.de/tom-kehrbaum-john-dewey-demokratie-und-bildung-als-lebensform/, abgerufen am 08.08.2026. Aktuell wird beispielsweise diskutiert, inwiefern die Grundideen John Deweys zur Demokratiebildung auch in Unternehmen Anwendung finden können.6Vgl. Hollstein, Bettina: Was braucht Demokratie als Lebensform für Unternehmen? In: Albert, Anika C. u. a. (Hg.): Haltung zeigen – Demokratie stärken. Wirtschafts- und unternehmensethische Perspektiven, Baden-Baden 2025, 73–88.

    4. Demokratiebildung im politischen Kontext

    Auch angesichts der zunehmend diagnostizierten Politikverdrossenheit71992 war „Politikverdrossenheit“ das Wort des Jahres.; vgl. Widmaier, Benedikt: Demokratiebildung, Demokratieförderung, Demokratiedidaktik, Demokratielernen… wie jetzt? Die neue Übersichtlichkeit in der politischen Bildung. In: Hessische Blätter für Volksbildung (2018), 258–266. seit den 1990er Jahren rückte der Begriff Demokratie verstärkt in den Fokus von Bildungskontexten.

    Mit dem Programm „Demokratie lernen und leben“8Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik: Programm Demokratie lernen und leben, https://www.blk-demokratie.de, abgerufen am 08.08.2026. der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) wurde Demokratiepädagogik als Konzept etabliert und 2005 durch einen eigenen Verband, die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe), nachhaltig abgesichert. Hier liegt ein Schwerpunkt in politischer Frühsozialisation, etwa in Kindergärten, in der Grundschule und im Service Learning durch entsprechende Praxiserfahrungen im Jugendalter.9Vgl. Widmaier, Benedikt: Demokratiebildung, Demokratieförderung, Demokratiedidaktik, Demokratielernen… wie jetzt? Die neue Übersichtlichkeit in der politischen Bildung. In: Hessische Blätter für Volksbildung (2018), 258–266. Damit wird deutlich, dass Demokratiebildung nicht nur auf kognitive Wissensvermittlung, sondern auf ganzheitliche Lernprozesse zielt, die Mitbestimmung und Mitgestaltung erfahrbar machen, Kritikfähigkeit und Kompromissbereitschaft fördern sowie gegenseitigen Respekt und die Teilhabe stärken.

    In der Jugendberichterstattung der Bundesregierung wird seit 2017 „politische Bildung“ explizit als Desiderat formuliert, während dieser Begriff in den vorherigen Berichten kaum vorkam. Dort stand vielmehr der Begriff des „Engagements“ im Vordergrund.10Vgl. Bericht 2013: keine Erwähnung von „politischer Bildung“, aber 220-mal „Engagement“ (Widmaier, Benedikt: Demokratiebildung, Demokratieförderung, Demokratiedidaktik, Demokratielernen… wie jetzt? Die neue Übersichtlichkeit in der politischen Bildung. In: Hessische Blätter für Volksbildung (2018), 258–266, 258). In den Fokus rückte dabei insbesondere der Bereich der außerschulischen politischen Bildung, der vor allem von Jugendorganisationen getragen wird.

    Im Bundesprogramm „Demokratie leben“ wurde die Strategie zur Extremismusprävention und Demokratieförderung der Bundesregierung mit hohem finanziellem Aufwand umgesetzt; dies ermöglichte zahlreiche Projekte, stieß jedoch auch auf Kritik von unterschiedlichen Seiten.11Vgl. Widmaier, Benedikt: Demokratiebildung, Demokratieförderung, Demokratiedidaktik, Demokratielernen… wie jetzt? Die neue Übersichtlichkeit in der politischen Bildung. In: Hessische Blätter für Volksbildung (2018), 258–266.

    5. Demokratie und (religiöse) Pluralität

    Die grundlegende Akzeptanz von Pluralität ist ein zentrales Kennzeichen liberaler Demokratien. Umgekehrt stehen antipluralistische Positionierungen im Widerspruch zu demokratischen Prinzipien. Ein besonderes Problem stellt hier die Tatsache dar, dass sich antidemokratische Haltungen häufig unter dem Deckmantel demokratischer Pluralität Bahn brechen und zugleich mit religiösen Gruppenzugehörigkeiten verknüpft werden. Dies betrifft in besonderer Weise auch Fälle, in denen die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft zu stereotypen Zuschreibungen, Vorurteilen, Abwertungen oder sogar Anfeindungen führt: „Religiöse Pluralität wird bei antidemokratisch denkenden Personen als Begründung für ihre Haltungen genutzt und führt zu einer Entfremdung von der Demokratie.“12Pickel, Gert: Die Krise der Demokratie und die Relevanz des Religionsunterrichts, In: Grasser, Patrick (Hg.): Demokratiebildung. Bildungswelten 1, München 2024, 21–36.

    Umso mehr braucht es eine kritische Verhältnisbestimmung von Demokratie und Religion. Der Soziologe und Politikwissenschaftler Hartmut Rosa  oes-gnd-icon waiting... formulierte prägnant: „Demokratie braucht Religion“13Rosa, Hartmut: Demokratie braucht Religion, 2. aktualisierte Auflage, München 2022. und konkretisiert dies folgendermaßen: „Demokratie ist das zentrale Glaubensbekenntnis unserer Gesellschaft, aber sie erfordert eben Stimmen, Ohren und hörende Herzen.“14Rosa, Hartmut: Demokratie braucht Religion, 2. aktualisierte Auflage, München 2022, 54. Damit legt er den Akzent auf eine kommunikative und emotional erfahrbare Vermittlung demokratischen Basiswissens, das entgegen aller gesellschaftlichen Unübersichtlichkeit und Beschleunigungstendenzen einen  Kontrapunkt zu immer aggressiver werdenden Grundstimmungen setzt. Denn: „Demokratie funktioniert im Aggressionsmodus nicht.“15Rosa, Hartmut: Demokratie braucht Religion, 2. aktualisierte Auflage, München 2022, 53.

    6. Demokratiebildung aus evangelischer Perspektive

    Seit den 2000er Jahren wird Demokratiebildung verstärkt auch als Aufgabe der evangelischen Kirche wahrgenommen. Grundlegend gilt dabei: „Kirche, Theologie und Religionspädagogik [haben] die bedeutsame Aufgabe, ethische Werte der demokratischen Gesellschaft zu reflektieren und durch Impulse aus der eigenen Glaubensüberzeugung heraus mitzuprägen.“16Grasser, Patrick: Demokratiebildung als evangelische Bildungsaufgabe. Eine Einführung in den Sammelband. In: Ders. (Hg.): Demokratiebildung, Bildungswelten 1, München 2024, 11–17, 15. Im Sinne Deweys  oes-gnd-icon waiting... lassen sich auch hier ein Grundverständnis von Demokratie als Lebensform17Vgl. Grümme, Bernard: Lebensformen, demokratische, WiReLex, 2024, https://www.die-bibel.de/ressourcen/wirelex/9-politische-und-rechtliche-dimensionen-religioeser-bildung/lebensformen-demokratische, abgerufen am 07.08.2026. und die damit verbundene Erfahrungsdimension aufzeigen: „Kirchliche und andere religiöse Gemeinschaften können, ebenso wie der Religionsunterricht, zu Erfahrungs-, Erprobungs- und Bildungsräumen von Demokratie werden.“18Pirner, Manfred L.: Der Beitrag des Religionsunterrichts zur Demokratiebildung. In: Grasser, Patrick (Hg.): Demokratiebildung. Bildungswelten 1, München 2024, 122–140, 122.

    Die wichtige und aktuelle Aufgabe von Diakonie und Kirche besteht darin, „als Deutungsgemeinschaft mitten in einer Gesellschaft, in der politisch-kulturelle Aushandlungsprozesse zwischen Konsens und Konflikt zu führen sind“19EKD (Hg.): Zwischen Nächstenliebe und Abgrenzung. Eine interdisziplinäre Studie zu Kirche und politischer Kultur, Leipzig 2022, 261. zu fungieren. Dass dies ein anspruchsvolles Unterfangen ist, steht außer Frage. „Er meint mehr als Wissens- und Kompetenzvermittlung. Er meint, sich selbst in einen Prozess ganzheitlicher Bildung (religiös, sozial, politisch) zu begeben und Veränderungen auszusetzen. Irritationen sind dabei ebenso notwendig, wie sie verunsichernd sein können.“20EKD (Hg.): Zwischen Nächstenliebe und Abgrenzung. Eine interdisziplinäre Studie zu Kirche und politischer Kultur, Leipzig 2022, 264.

    7. Stellungnahmen der EKD

    Die hiermit skizzierte Grundausrichtung zieht sich auch durch kirchliche Schriften und Stellungnahmen. 1985 erschien die EKD–Denkschrift „Evangelische Kirche und freiheitliche Demokratie. Der Staat des Grundgesetzes als Angebot und Aufgabe“. Sie zielte darauf ab, Demokratie zu verwirklichen und angesichts gesellschaftlicher Herausforderungen weiterzuentwickeln.

    Diese Bemühungen wurden insbesondere in den letzten Jahren intensiviert. 2017 wurden unter dem Titel „Konsens und Konflikt. Politik braucht Auseinandersetzung“ zehn Impulse der Kammer für Öffentliche Verantwortung der EKD zu aktuellen Herausforderungen der Demokratie in Deutschland veröffentlicht. 2020 folgten unter dem Titel „Demokratie, Bildung und Religion. Gesellschaftliche Veränderungen in Freiheit mitgestalten“ Impulse der Kammer der EKD für Bildung und Erziehung, Kinder und Jugend zur demokratiebezogenen Bildungsarbeit in kirchlichen Handlungsfeldern. Hier wird mit Blick auf Demokratiebildung konstatiert: „Demokratiebezogene Bildung sollte als Grunddimension evangelischer Bildungsmitverantwortung verstanden werden, zu der alle im evangelischen Ethos begründeten Bildungsangebote einen eigenen Beitrag leisten.“21EKD (Hg.): Demokratie, Bildung und Religion. Gesellschaftliche Veränderungen in Freiheit mitgestalten, Impulse der Kammer der EKD für Bildung und Erziehung, Kinder und Jugend für die demokratiebezogene Bildungsarbeit in kirchlichen Handlungsfeldern, Hannover 2020, 30. Umgekehrt gilt auch, dass „religiöse Bildung […] zur demokratiebezogenen Bildung“22EKD (Hg.): Demokratie, Bildung und Religion. Gesellschaftliche Veränderungen in Freiheit mitgestalten, Impulse der Kammer der EKD für Bildung und Erziehung, Kinder und Jugend für die demokratiebezogene Bildungsarbeit in kirchlichen Handlungsfeldern, Hannover 2020, 5. beitragen kann. Somit umfasst Demokratiebildung im evangelischen Sinne die Vermittlung grundlegender Werte und politischen Wissens, darüber hinaus aber auch die Reflexion ethischer Fragestellungen sowie eine spirituelle Dimension.

    Eine inhaltliche Konkretisierung mit Blick auf den Umgang mit Pluralisierung und Individualisierung bietet der 2021 erschienene EKD-Text „Vielfalt und Gemeinsinn. Der Beitrag der evangelischen Kirche zu Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“23EKD (Hg.): Vielfalt und Gemeinsinn. Der Beitrag der evangelischen Kirche zu Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, Leipzig 2021.. 2022 wurde die interdisziplinäre Studie zu Kirche und politischer Kultur „Zwischen Nächstenliebe und Abgrenzung“24EKD (Hg.): Zwischen Nächstenliebe und Abgrenzung. Eine interdisziplinäre Studie zu Kirche und politischer Kultur, Leipzig 2022. veröffentlicht. Im März 2025 formulierte der Rat der EKD „Christliche Perspektiven für unser gesellschaftliches und politisches Miteinander“ mit konkreten Handlungsempfehlungen für ein gelingendes Zusammenleben:25EKD (Hg.): Christliche Perspektiven für unser gesellschaftliches und politisches Miteinander, Wort des Rates der EKD, Hannover 2025, 3.

    • „Vertrauen, Mut und Zuversicht statt Angstmacherei“ ausstrahlen.
    • „[a]uf den Menschen schauen […] – unabhängig von seiner Herkunft und vorurteilsfrei.“
    • Vielfalt und Miteinander leben – und dabei niemanden ausgrenzen oder abwerten.
    • „Mut zum offenen Wort – Fähigkeit zur Selbstkritik“
    • „Verantwortungsvolle Kompromisse statt Maximalforderungen“
    • „Zugehen und Zuhören“ – „fragend, nicht dozierend und belehrend“.

    8. Handlungsempfehlungen der Diakonie Deutschland

    Die Diakonie Deutschland hat seit 2018 zwei Handreichungen zum Thema „Aktiv werden! Für Demokratie ­– gegen Ausgrenzung“ und zum „Umgang mit Rechtspopulismus und Rechtsextremismus“ herausgegeben und mehrfach aktualisiert.26Diakonie Deutschland (Hg.): Aktiv werden! Für Demokratie – gegen Ausgrenzung. Eine pädagogische Handreichung für Multiplikator*innen, Berlin 2018; Diakonie Deutschland (Hg.): Umgang mit Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Eine Handreichung für die Diakonie, 4. aktualisierte Auflage, Berlin 2025. Diese Handlungsempfehlungen richten sich an Multiplikator*innen und nehmen darüber hinaus  konkrete Umsetzungsmöglichkeiten in Unternehmen in den Blick. Sie zielen u. a. auf:

    • öffentliche Formate, z. B. in Form von (Diskussions-)Veranstaltungen oder Kampagnen auch auf Social Media.
    • das Ausschöpfen von Vernetzungspotenzialen in sozialen Nahräumen und darüber hinaus.
    • die spezifische Ausgestaltung innerbetrieblicher Strukturen durch die Partizipation von Mitarbeitenden, Klient*innen und deren Angehörigen, gezielte Fortbildungen für Mitarbeitende, Schulung und Supervision für Führungskräfte sowie einen transparenten Umgang mit Konfliktfällen.
    • Etablierung demokratischer Werte in der Unternehmenskultur, z. B. durch Verankerung demokratischer Werte im Leitbild, Sensibilität für verwendete Sprache und Symbolik.

    Weiterführende Literatur

    Achour, Sabine: Gesellschaftspolitische, didaktische und pädagogische Perspektiven. Ein Überblick auf Kontroversen, Synergien, Chancen und Desiderate. In: Dies. u. a. (Hg.): Handbuch Demokratiebildung und Fachdidaktik. Band 1: Grundlagen und Querschnittsaufgaben, Frankfurt a.M. 2025, 19–43.

    Albert, Anika C.: Diakonische Orte als Demokratiebildung. Wie Corporate Political Responsibility (CPR) gestaltet werden kann. In: Albrecht, Christian (Hg.),:Aufeinander hören – miteinander reden. Diakonie, Demokratie und Dialog, Diakonie reflektieren Band 4, Berlin 2026, 46–67.

    Bokelmann, Oliver: Demokratiepädagogik: Theorie und Praxis der Demokratiebildung in Jugendhilfe und Schule, Wiesbaden 2023.

    Brämer, Alexander/Gramm, Dirk: Demokratie leben und lernen. Handlungsfelder schulischer Demokratiebildung in Theorie und Praxis, Bielefeld 2024.

    Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik: Programm Demokratie lernen und leben, https://www.blk-demokratie.de, abgerufen am 08.08.2026.

    Evangelische Kirche in Deutschland (Hg.): Christliche Perspektiven für unser gesellschaftliches und politisches Miteinander, Wort des Rates der EKD, Hannover 2025.

    Evangelische Kirche in Deutschland (Hg.): Evangelische Kirche und freiheitliche Demokratie. Der Staat des Grundgesetzes als Angebot und Aufgaben; eine Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gütersloh 1985.

    Evangelische Kirche in Deutschland (Hg.): Konsens und Konflikt. Politik braucht Auseinandersetzung, Zehn Impulse der Kammer für Öffentliche Verantwortung der EKD zu aktuellen Herausforderungen der Demokratie in Deutschland, Hannover 2017.

    Fricke, Michael: Diakonisches Lernen, evangelisch, WiReLex, 2016, https://www.die-bibel.de/ressourcen/wirelex/2-fachdidaktische-konzepte/diakonisches-lernen-evangelisch, abgerufen am 07.08.2026.

    Fricke, Michael/Kuld, Lothar/Sliwka, Anne: Konzepte sozialer Bildung an der Schule: Compassion – Diakonisches Lernen – Service Learning, Münster 2018.

    Georgi, Viola B.: Demokratielernen in der Schule. Leitbild und Handlungsfelder, Berlin 2006.

    Götz, Michael/Wohnig, Alexander/Widmaier, Benedikt (Hg.): Soziales Engagement politisch denken. Chancen für politische Bildung, Schwalbach a. Taunus 2015.

    Greuel, Frank/Karliczek, Kari-Maria/Kleist, Olaf/Winter, Sebastian: Demokratieförderung, Vielfaltgestaltung und Extremismusprävention. Abschlussberichte des Evaluationsverbundes des Bundesprogramms „ Demokratie leben!“ 2020–2024, Weinheim 2025.

    Grümme, Bernard: Religionsunterricht als Beitrag zur Bildung in der Demokratie. In: Zeitschrift für Pädagogik und Theologie 71 (2019), 159–172.

    Himmelmann, Gerhard: Demokratisches Lernen als Lebens-, Gesellschafts- und Herrschaftsformen. Ein Lehr- und Arbeitsbuch, Schwalbach a. Taunus 2001.

    Horn, Friederike: Diakonisches Lernen als Demokratiebildung? In: Zeitschrift für Pädagogik und Theologie 71 (2019), 186–195.

    Könemann, Judith: Politische Religionspädagogik, WiReLex, 2016, https://www.die-bibel.de/ressourcen/wirelex/1-wissenschaftstheorie-forschungsmethoden/politische-religionspaedagogik, abgerufen am 08.08.2026.

    Lange, Dirk/Himmelmann, Gerhard (Hg.): Demokratiedidaktik. Impulse für die Politische Bildung, Wiesbaden 2019.

    Massing, Peter/Breit, Gotthard/Buchstein, Hubertus (Hg.): Demokratie-Theorien von der Antike bis zur Gegenwart, 8. völlig überarbeitete Auflage, Schwalbach a. Tanus 2012.

    Schlag, Thomas: Demokratie, WiReLex, 2016, https://www.die-bibel.de/ressourcen/wirelex/9-politische-und-rechtliche-dimensionen-religioeser-bildung/lebensformen-demokratische, abgerufen am 07.08.2026.

    Einzelnachweise

    • 1
      Grasser, Patrick: Demokratiebildung als evangelische Bildungsaufgabe. Eine Einführung in den Sammelband. In: Ders. (Hg.): Demokratiebildung, Bildungswelten 1, München 2024, 11–17, 12.
    • 2
      Bielefeldt, Heiner: Die unterschätzte Stärke der Demokratie. In: Grasser, Patrick (Hg.), Demokratiebildung. Bildungswelten 1, München 2024, 37–50, 41.
    • 3
      Vgl. Amlinger, Carolin/Nachtwey, Oliver: Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus, Berlin 2023; Vgl. Amlinger, Carolin/Nachtwey, Oliver: Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus. Was wollen Donald Trump, Elon Musk und ihre Anhänger:innen? Berlin 2025.
    • 4
      Dewey, John: Demokratie und Erziehung. Einleitung in die philosophische Pädagogik, 3. Auflage, Braunschweig 1964, 121.
    • 5
      Vgl. Kehrbaum, Tom: John Dewey. Demokratie und Bildung als Lebensform. In: Denk-doch-Mal.de, 2020, https://denk-doch-mal.de/tom-kehrbaum-john-dewey-demokratie-und-bildung-als-lebensform/, abgerufen am 08.08.2026.
    • 6
      Vgl. Hollstein, Bettina: Was braucht Demokratie als Lebensform für Unternehmen? In: Albert, Anika C. u. a. (Hg.): Haltung zeigen – Demokratie stärken. Wirtschafts- und unternehmensethische Perspektiven, Baden-Baden 2025, 73–88.
    • 7
      1992 war „Politikverdrossenheit“ das Wort des Jahres.; vgl. Widmaier, Benedikt: Demokratiebildung, Demokratieförderung, Demokratiedidaktik, Demokratielernen… wie jetzt? Die neue Übersichtlichkeit in der politischen Bildung. In: Hessische Blätter für Volksbildung (2018), 258–266.
    • 8
      Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik: Programm Demokratie lernen und leben, https://www.blk-demokratie.de, abgerufen am 08.08.2026.
    • 9
      Vgl. Widmaier, Benedikt: Demokratiebildung, Demokratieförderung, Demokratiedidaktik, Demokratielernen… wie jetzt? Die neue Übersichtlichkeit in der politischen Bildung. In: Hessische Blätter für Volksbildung (2018), 258–266.
    • 10
      Vgl. Bericht 2013: keine Erwähnung von „politischer Bildung“, aber 220-mal „Engagement“ (Widmaier, Benedikt: Demokratiebildung, Demokratieförderung, Demokratiedidaktik, Demokratielernen… wie jetzt? Die neue Übersichtlichkeit in der politischen Bildung. In: Hessische Blätter für Volksbildung (2018), 258–266, 258).
    • 11
      Vgl. Widmaier, Benedikt: Demokratiebildung, Demokratieförderung, Demokratiedidaktik, Demokratielernen… wie jetzt? Die neue Übersichtlichkeit in der politischen Bildung. In: Hessische Blätter für Volksbildung (2018), 258–266.
    • 12
      Pickel, Gert: Die Krise der Demokratie und die Relevanz des Religionsunterrichts, In: Grasser, Patrick (Hg.): Demokratiebildung. Bildungswelten 1, München 2024, 21–36.
    • 13
      Rosa, Hartmut: Demokratie braucht Religion, 2. aktualisierte Auflage, München 2022.
    • 14
      Rosa, Hartmut: Demokratie braucht Religion, 2. aktualisierte Auflage, München 2022, 54.
    • 15
      Rosa, Hartmut: Demokratie braucht Religion, 2. aktualisierte Auflage, München 2022, 53.
    • 16
      Grasser, Patrick: Demokratiebildung als evangelische Bildungsaufgabe. Eine Einführung in den Sammelband. In: Ders. (Hg.): Demokratiebildung, Bildungswelten 1, München 2024, 11–17, 15.
    • 17
      Vgl. Grümme, Bernard: Lebensformen, demokratische, WiReLex, 2024, https://www.die-bibel.de/ressourcen/wirelex/9-politische-und-rechtliche-dimensionen-religioeser-bildung/lebensformen-demokratische, abgerufen am 07.08.2026.
    • 18
      Pirner, Manfred L.: Der Beitrag des Religionsunterrichts zur Demokratiebildung. In: Grasser, Patrick (Hg.): Demokratiebildung. Bildungswelten 1, München 2024, 122–140, 122.
    • 19
      EKD (Hg.): Zwischen Nächstenliebe und Abgrenzung. Eine interdisziplinäre Studie zu Kirche und politischer Kultur, Leipzig 2022, 261.
    • 20
      EKD (Hg.): Zwischen Nächstenliebe und Abgrenzung. Eine interdisziplinäre Studie zu Kirche und politischer Kultur, Leipzig 2022, 264.
    • 21
      EKD (Hg.): Demokratie, Bildung und Religion. Gesellschaftliche Veränderungen in Freiheit mitgestalten, Impulse der Kammer der EKD für Bildung und Erziehung, Kinder und Jugend für die demokratiebezogene Bildungsarbeit in kirchlichen Handlungsfeldern, Hannover 2020, 30.
    • 22
      EKD (Hg.): Demokratie, Bildung und Religion. Gesellschaftliche Veränderungen in Freiheit mitgestalten, Impulse der Kammer der EKD für Bildung und Erziehung, Kinder und Jugend für die demokratiebezogene Bildungsarbeit in kirchlichen Handlungsfeldern, Hannover 2020, 5.
    • 23
      EKD (Hg.): Vielfalt und Gemeinsinn. Der Beitrag der evangelischen Kirche zu Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, Leipzig 2021.
    • 24
      EKD (Hg.): Zwischen Nächstenliebe und Abgrenzung. Eine interdisziplinäre Studie zu Kirche und politischer Kultur, Leipzig 2022.
    • 25
      EKD (Hg.): Christliche Perspektiven für unser gesellschaftliches und politisches Miteinander, Wort des Rates der EKD, Hannover 2025, 3.
    • 26
      Diakonie Deutschland (Hg.): Aktiv werden! Für Demokratie – gegen Ausgrenzung. Eine pädagogische Handreichung für Multiplikator*innen, Berlin 2018; Diakonie Deutschland (Hg.): Umgang mit Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Eine Handreichung für die Diakonie, 4. aktualisierte Auflage, Berlin 2025.

    Zitierweise

    Albert, Anika Christina: „Demokratiebildung“, Version 1.0, in: Onlinelexikon Systematische Theologie, ISSN 3052-685X, 29.10.2026. DOI: https://doi.org/10.15496/publikation-124682

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